Gesundheit : Deutsche Gesellschaft für Chirurgie: Neues altes Headquarter

Adelheid Müller-Lissner

Rechterhand eine Plakette, der der Besucher entnehmen kann, dass in diesem Haus Wilhelm Pieck von der Volkskammer gleich zweimal zum Präsidenten der Deutschen Demokratischen Republik gewählt wurde, 1953 und 1957. Links gibt ein Hinweisschild bekannt, dass hier die Hauptbibliothek und das Referat Studienangelegenheiten der Charité ihren Sitz haben.

In das Haus Luisenstraße 58/59 in Mitte ist jetzt die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie eingezogen. Dabei ist die Fachgesellschaft derzeit nur Mieterin im Langenbeck-Virchow-Haus, genauer gesagt sogar nur Untermieterin der anderen großen Chirurgen-Vereinigung, des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen. "Als Mieter fühlen wir uns ein bisschen degradiert", sagt denn auch Wilhelm Hartel, Generalsekretär der Fachgesellschaft. Schließlich hat die Fachgesellschaft selbst das Haus einst gebaut - zusammen mit der Berliner Medizinischen Gesellschaft.

Das 1915 mitten im Krieg eingeweihte Domizil, das mit seinem Doppelnamen an den Chirurgen und Mitbegründer der Gesellschaft Bernhard von Langenbeck und an den Pathologen Rudolf von Virchow erinnern soll, war als deutsches Gegenstück zum ehrwürdigen Royal College of Surgeons in London gedacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es jedoch von sowjetischen Militärbehörden besetzt und nach der Enteignung seit 1953 für die Volkskammer genutzt, bis sie 1978 in den Palast der Republik umsiedelte und der Akademie der Künste Platz machte. Die Enteignung ist in der Sicht der Chirurgen niemals rechtmäßig gewesen. Die Mediziner kämpfen deshalb weiter um ihr Anwesen. "Wenn es mit rechten Dingen zugeht, müssten wir das Haus wiederkriegen", so Hartel.

Klaus Schönleben, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, will aus dem Haus ein "Headquarter" der deutschen Chirurgen machen - und das nicht nur für die zentrale Verwaltung, sondern auch für den Erfahrungsaustausch und die Fortbildung. "Alle Einrichtungen sind hier vorhanden, so dass wir auch Kosten sparen können". Bisher haben die beiden Fachverbände, die zuvor in München und Hamburg angesiedelt waren, nur die Konferenzräume und Büros renoviert. Der große Jugendstil-Hörsaal in dem Gebäude, der 900 Besucher fasst, ist jedoch noch baufällig. An Funktionalität war, wie man jetzt (in: Hans-Jürgen Peiper, Das Langenbeck-Virchow-Haus, Einhorn-Presse Verlag 2001) nachlesen kann, von Anfang an gedacht. Regierungsbaumeister Dernburg, wollte dem Besucher mit "schlichtesten Formen" den Eindruck vermitteln, sich an einer "Stätte der Arbeit" zu befinden.

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