Gesundheit : Deutsche Ingenieure made in Cairo Erste Auslandshochschulen eröffnen den Lehrbetrieb

Hermann Horstkotte

Hundert Wissenschaftlerstellen vor allem für Ingenieure mit Doktorgrad warten auf deutsche Bewerber an der German University Cairo (GUC). Die andere Hälfte des akademischen Personals stammt aus Ägypten. Im Oktober geht der Lehr- und Forschungsbetrieb los, mit zunächst tausend Studenten. Die Hochschule folgt einem akademischen Konzept, das vor allem von den Universitäten Ulm und Stuttgart entwickelt wurde. Der GUC-Leiter Ashraf Mansour hat selber in Ulm akademische Karriere gemacht. Der Campus mit 30 000 Quadratmetern Nutzfläche ist eine Investition einheimischer Geschäftsleute. Bildung macht sich bezahlt, denken auch die Studenten. Für sie sind Studiengebühren bis zu 12 000 Euro im Jahr selbstverständlich. Zunächst müssen sie aber eine Aufnahmeprüfung bestehen. „Wir haben in Kairo alles, was wir vielleicht auch einmal in Deutschland durchsetzen können“, sagt der Ulmer Rektor Hans Wolff.

Die GUC ist eines von insgesamt 29 Vorhaben zum „Export deutscher Studienangebote“, die der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) seit 2001 ausgewählt hat. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn unterstützt die meisten Initiativen mit insgesamt zehn Millionen Euro aus der Versteigerung der UMTS-Lizenzen. Der Exportschwerpunkt liegt dabei eindeutig in den Technikwissenschaften: Die TH Aachen gründet eine thailändisch-deutsche „Graduate School of Engineering“, die TU Dresden eine Deutsche Fakultät an der Schwesterhochschule in Hanoi (Vietnam), die Fachhochschule Hamburg ein „Zentrum für Technik und Wirtschaft“ in China. Schrittmacher war die TU München mit der „Deutsch-Singapurischen Universität“ im südostasiatischen Stadtstaat. So verschaffen die Hochschulen dem Qualitätsbegriff „Made in Germany“ zusätzliche Weltgeltung.

Auf dem globalen Bildungsmarkt

„Wir wollen den globalen Bildungsmarkt nicht länger den englischen, australischen und amerikanischen Hochschulen überlassen“, erklärt DAAD-Generalsekretär Christian Bode. Die sind längst „draußen“ in Kundennähe präsent – auch schon in Deutschland, hier vor allem mit Business Schools. Wenn der Ausbildungsplatz im eigenen Kulturraum liegt, fällt es vielen jungen Studenten leichter, ausländische Angebote anzunehmen. Yasmine, Absolventin der Deutschen Schule Kairo und jetzt Informatikstudentin in Stuttgart, sagt: „Wir haben in der Familie eingehend darüber beraten, ob ich wirklich ins Ausland gehen sollte. Am Ende konnten meine Mutter und ich auch meinen Vater überzeugen.“ Yasmines jüngere Geschwister haben bereits die Wahl, auch zu Hause „wie in Deutschland“ studieren zu können.

In der Region zu bleiben, erspart den Studienanfängern nicht nur einen „Kulturschock“ in der Fremde; oft sind auch ihre Lebenshaltungskosten günstiger. Und meist findet der Unterricht, so jedenfalls in Singapur oder Kairo, auf Englisch statt. „Wenn wir auf Deutsch beharren, dann kostet das die Studenten in der Regel ein Jahr“, erklärt Bode. Und das wollen auch gerade deutsche Unternehmen wie Siemens oder BMW nicht, die das Studium ihrer Nachwuchskräfte an Auslandshochschulen mit Stipendien unterstützen.

Informationen im Internet:

www.guc.uni-ulm.de ; www.daad.de

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