Gesundheit : Deutsche Schrullen

Albrecht Meier

Neulich im Intercity: In Bad Oeynhausen steigt eine Frau aus, mit der wir uns unterhalten hatten. Man wünscht ihr ein schönes Wochenende, worauf sie erwidert: „Ja, es wird anstrengend.“ Wollte sie darauf hinweisen, dass sie sich um ihren kranken Schwiegervater kümmert? Ihre Tüchtigkeit unter Beweis stellen? Jedenfalls: Er existiert, der deutsche Nationalcharakter. Daniel Goeudevert, Franzose und ehemaliger Automanager, hat lange genug – 25 Jahre – in Deutschland gelebt, um sich seine Gedanken über die Marotten der Deutschen zu machen. Das Leben, so analysiert er, ist für sie in erster Linie eine Anstrengung. Denn nicht nur fehle ihnen alles Leichte. Was ihnen den Anstrich von Tiefe verleiht, ist in Wahrheit „Verdruss, ein leichter Lebensjammer, Weltschmerz gepaart mit Seelentrübnis“. Goeudevert spricht auch von den Stärken der Deutschen – etwa ihrer Gastfreundschaft. Das kommt allerdings bei weitem nicht so pointiert daher wie seine Beschreibung der Schrullen. Das Buch enthält lesenswerte Fundstücke. Der Leser muss aber gleichzeitig zahlreiche innere Monologe Goeudeverts bewältigen. Dommage – schade eigentlich.

Daniel Goeudevert: Wie Gott in Deutschland. Eine Liebeserklärung. Econ Verlag, München. 272 Seiten, 22 €.

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