Gesundheit : „Deutsche Unis können nicht von ihrem Mythos leben“ Rektoren für Hochschul-Pisa / Wahlprüfsteine verabschiedet

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Von Bärbel Schubert

Die Hochschulrektoren wollen jetzt auch für Universitäten und Fachhochschulen eine internationale Leistungsuntersuchung. „Das unterstützen wir aktiv“, sagte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Klaus Landfried, am Mittwoch in Berlin. „Die Hochschulen können schließlich nicht mehr von ihrem Mythos leben.“

Die Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD), die bereits den Schultest Pisa leitet, beraten zurzeit über ihre Vorhaben nach dem Schultest. Im Gespräch sind Erweiterungen auf jüngere Kinder oder auf die 16- bis 32-Jährigen. Die Erarbeitung von Konzepten und Strategien hat gerade erst begonnen. Die Vorbereitung wird voraussichtlich noch mindestens zwei bis drei Jahre dauern.

Die Beschränkung einer Hochschuluntersuchung auf Deutschland lehnte Landfried als „provinziell“ ab. „Entscheidend ist, wo wir im internationalen Vergleich stehen.“

Bei ihren Plenarberatungen in Berlin haben die Rektoren und Präsidenten der deutschen Hochschulen auch Prüfsteine für die Bundestagswahl im September verabschiedet. Um mit den Universitäten vergleichbarer Industriestaaten wie Japan, den USA oder der Schweiz konkurrieren zu können, benötigten die deutschen Hochschulen mehr Geld, forderte Landfried. Die rot-grüne Bundesregierung habe zwar ihre Ausgaben für Bildung und Forschung erheblich gesteigert – im Gegensatz zu ihren Vorgängern. „Aber die Länder haben nicht mitgezogen und sie finanzieren die Hochschulen zu 90 Prozent.“ Um das zu ändern, fordern die Hochschulrektoren nun eine gemeinsame Hochschul-Offensive von Bund und Ländern.

Gemeinsam sollen sich Bund und Länder weiter für die Finanzierung von Hochschulbauten und Forschungs-Großgeräten engagieren. Nur so hätten auch die Hochschulen der ärmeren Bundesländer eine Chance. Bayern und Nordrhein-Westfalen setzten sich nach schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit dafür ein, dass diese Aufgabe neu gestaltet wird. Auf dem HRK-Wunschzettel steht darüber hinaus eine grundlegende Reform der Studienfinanzierung – weg vom Bafög hin zu einer ausreichenden individuellen Förderung aller Studenten. Dies war ursprünglich für diese Legislaturperiode geplant. Dazu soll nach Forderung der HRK ein Stipendiensystem kommen. Dann wären die Bedingungen für die Einführung von Studiengebühren geschaffen.

„Hochschulbildung ist kein Handelsgut“, mit diesen Worten lehnte Landfried ab, dass künftig der Zugang ausländischer Hochschulen zum deutschen Markt über das Handelsabkommen Gats geregelt wird. Die Qualität dieser Angebote müsse geprüft werden.

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