Gesundheit : Deutscher Akademischer Austauschdienst: "Hoffentlich keine Eintagsfliege"

Heiko Schwarzburger

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) startet eine neue Offensive, um ausländische Studenten und Forscher nach Deutschland zu holen. Dazu stellt das Auswärtige Amt in diesem Jahr zusätzlich 17 Millionen Mark bereit, die in Stipendien, in die bessere Betreuung ausländischer Studenten an deutschen Hochschulen und Sprachkurse fließen sollen. Mit der Finanzspritze geht eine zehnjährige Dürreperiode zu Ende, in der der DAAD fast ein Drittel seiner Etats für Auslandsstipendien verloren hatte. "Zusammen mit der Aufstockung der Mittel für die Forschung sind das ermutigende Signale", sagte DAAD-Generalsekretär Christian Bode. "Wir hoffen, das bleibt keine Eintagsfliege."

Der DAAD und das Hochschul-Informations-System (HIS) legten eine umfangreiche Analyse über die Chancen von Ausländern in der deutschen Wissenschaft vor. Demnach ist der Ausländeranteil unter den Studenten an den meisten Hochschulen noch immer deutlich geringer als in englischsprachigen Ländern. "Die berühmte London School of Economics hat mehr als 40 Prozent ausländische Studenten". Darauf wies Christian Bode als Beispiel hin. "Das erreichen bei uns höchstens einige Musikhochschulen." Die Berliner Universitäten stehen in der Statistik nicht schlecht da. Allerdings gehen rund zwei Drittel aller jungen Ausländer lieber nach Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) schaffte es als einzige Berliner Fachhochschule auf einen der ersten zehn Plätze.

"Erfreulich ist, dass mit der Green-Card-Debatte endlich bundesweit ein Bewusstsein geschaffen wurde, wie schwierig es im internationalen Wettbewerb ist, die fähigsten Köpfe an unsere Hochschulen zu bekommen", kommentierte Albert Spiegel, Leiter der Abteilung für Kultur und Bildung im Auswärtigen Amt. Im Vergleich zu den Ausgaben der USA, Großbritanniens oder Australiens tut Deutschland dennoch zu wenig. "Die Ford-Foundation gibt in den nächsten vier Jahren 330 Millionen Dollar allein dafür aus, junge Leute aus Entwicklungsländern an die amerikanischen Universitäten und Forschungslabors zu holen", musste DAAD-Generalsekretär Christian Bode neidlos anerkennen. "Solche großen Stiftungen gibt es bei uns überhaupt nicht."

Ungelöst ist nach wie vor das Problem, dass ausländische Studenten, die von außerhalb der EU nach Deutschland kommen, nur 90 Tage im Jahr arbeiten dürfen. Die meisten Stellen als wissenschaftliche Hilfskräfte an den Universitäten sind ihnen ebenfalls verwehrt, da EU-Bürger ein Vorrecht haben. "In dieser Frage stoßen wir auf den unvermindert starken Widerstand der Arbeitsverwaltung", beklagte Christian Bode. "Wir bemühen uns sehr, diese Regelung für Studentenjobs zu lockern. Bei rund 10 000 ausländischen Absolventen im Jahr sind die Befürchtungen vor einer Invasion völlig ungerechtfertigt." Bode hofft jetzt auf eine Verständigung zwischen den zuständigen Bundesministerien.

Auch aus den Empfehlungen der Zuwanderungskommission um Rita Süssmuth erhofft sich der DAAD spürbare Fortschritte. Albert Spiegel sagte die Unterstützung der Botschaften bei der zügigen Ausstellung von Visa zu. Allerdings müssen die Konsulate bei Studienaufenthalten, die länger als drei Monate dauern, noch immer bei den örtlichen Ausländerbehörden nachfragen. "Da gibt es leider keine bundesweit einheitliche Regelung", kritisierte er. "Der Spielraum für das eigene Ermessen der Ausländerbehörden wird in höchst unterschiedlichem Maße genutzt." Spiegel forderte auch, Anschlussvisa beispielsweise nach Abschluss des Studiums ohne Verzug zu erteilen. Bislang müssen ausländische Absolventen das Land innerhalb von 154 Tagen verlassen, um dann erst einen Antrag auf Wiedereinreise stellen zu können. "Das erschwert den Wechsel von Studiengängen oder den Übergang zur Promotion ganz erheblich", meinte Bode.

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