Gesundheit : Deutscher Zukunftspreis: Kunstleber und Sprachcomputer

Paul Janositz

Eine Art künstlicher Leber, verbesserte Strahlentherapie, superscharfe Laserlinien und Computer, die Sprache verstehen und selber sprechen, das sind die Themen der vier Forscherteams, die um den diesjährigen Zukunftspreis ins Rennen gehen. Die vom Bundespräsidenten verliehene Auszeichnung ist mit 500 000 Mark dotiert und wird am 29. November verliehen. Ein wesentliches Kriterium bei der Auswahl sind gute Anwendbarkeit, die Aussicht auf Arbeitsplätze und wirtschaftliche Umsetzbarkeit.

An einer künstlichen Leber arbeitet eine interdisziplinäre Gruppe um den Rostocker Chemiker Stephan Aldinger. Leberversagen führt innerhalb weniger Tage zum Tode. Mit dem "MARS-System", das giftige Abfallprodukte des Stoffwechsels aus dem Körper entfernt, lässt sich der Zeitraum bis zu einer Transplantation überbrücken. Das Blut wird außerhalb des Körpers an einer Membran vorbeigeleitet, durch deren Löcher zwar die Giftstoffe passen, nicht jedoch wertvolle Substanzen wie Hormone, Wachstumsaktoren oder Vitamine. Auch Patienten, die an einer chronischen Lebererkrankung leiden, können profitieren. Durch das Rostocker System, das zeitweise die Reinigung des Blutes übernimmt, wird die Leber entlastet. "Das Organ kann sich regenerieren, selbst wenn schon 80 Prozent des Gewebes praktisch tot sind", betont Aldinger.

Bessere Chancen für schwer kranke Patienten bietet auch eine neuartige Strahlentherapie, die das Team um den Physiker Wolfgang Schlegel am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg ausgearbeitet hat. Bei Bestrahlung besteht immer das Risiko, dass auch umliegendes gesundes Gewebe geschädigt wird. Mit dem neuen computergesteuerten Verfahren lässt sich die Intensität innerhalb des Strahlenfeldes so verändern, dass Risikoorgane wie Rückenmark oder Sehnerv möglichst geschont werden.

Mit äußerst exakten Laserstrahlen beschäftigt sich das Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching bei München. Das Team um den Physiker Theodor Hänsch entwickelte einen Laser, der im Bereich von Femtosekunden arbeitet. Im millionstel Teil einer milliardstel Sekunde gelingt es, Hunderttausende scharfer Laserlinien zu erzeugen und deren Frequenz mit extremer Exaktheit zu bestimmen. Diese Technik ermöglicht den Bau von Uhren, tausend Mal genauer als die heutigen. Auch beispielsweise eine höhere Übertragungskapazität von Glasfaserleitungen ist denkbar.

Das vierte Team kommt vom Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz in Saarbrücken. Der Informatiker Wolfgang Wahlster arbeitet seit fünfzehn Jahren daran, Computern die deutsche Alltagssprache beizubringen. Die bisherigen Dialogsysteme verfügen nur über einen eingeschränkten Wortschatz. Jetzt ist es gelungen, einen Automaten zu entwickeln, der spontan gesprochenes Deutsch erkennen, verarbeiten und beantworten kann. Die Arbeit mit Computern kann sich dadurch erheblich vereinfachen. Bisher entstanden aus dem Saarbrücker Projekt bereits mehrere Sprachdialogsysteme und etwa zwanzig marktfähige Produkte.

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