Gesundheit : Deutschlands größter archivalischer Bestand zur russischen Geschichte

Sonja Kastner

Kürzlich erwarb die Bayerische Staatsbibliothek in München einen umfangreichen Bestand an mikroverfilmten Dokumenten zur Geschichte Russlands. Sie stammen zum Teil aus bislang nur schwer zugänglichen russischen Staatsarchiven. Die Bayerische Staatsbibliothek kaufte die Filme mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft von britischen Verlagen, die sich bereits seit Anfang der 90er Jahre um die russischen Dokumente bemühten. "Teilweise gab es haarsträubende Probleme mit den Archiven", erinnert sich Freddy Litten, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Staatsbibliothek. "Einmal zog das Militär bereits erteilte Genehmigungen zum Filmen der Dokumente plötzlich zurück. Ein anderes Mal fürchtete das russische Parlament einen Ausverkauf ihres Kulturgutes", sagt Litten. Der größte Teil der Dokumente - rund vier Fünftel - ist in russischer Sprache verfasst. Die Sammlung enthält aber auch einen kleinen Teil englischsprachiger Archivalien aus London, Washington sowie aus Stanford/Kalifornien. Darunter sind beispielsweise Akten des britischen und US-amerikanischen Außenministeriums.

Die Bayerische Staatsbibliothek besitzt den deutschlandweit größten Bestand an Archivalien zur russischen Geschichte, insgesamt sind es über 10 Millionen DIN-A4 Seiten. Die verfilmten Dokumente können in der Staatsbibliothek in München studiert oder per Fernleihe bestellt werden. Wissenschaftler mit knappen Budget erspart dies möglicherweise aufwendige Forschungsaufenthalte im Ausland. "Die Sammlung ist sehr nützlich und anwenderfreundlich", urteilt Ricarda Vulpius vom Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin. Die Dokumente geben nicht nur Aufschluss über politische Entwicklungen Russlands und der Sowjetunion, auch dokumentieren sie das kulturelle und geistige Leben der vergangenen 300 Jahre - die Themenspanne reicht von den Freimaurern im Russland des 18. Jahrhunderts bis hin zur sowjetischen Theater- und Filmwelt.Das gedruckte Gesamtverzeichnis der Mikrofilme ist erhältlich beim Osteuropa-Institut München, Scheinerstraße 11, 81 679 München. Die Kosten betragen 30 Mark plus Porto.

Das Gesamtverzeichnis finden Sie unter: www.bsb.badw-muenchen.de/erwerbun/litten.htm

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