Gesundheit : DFG-Forschungszentren: Eine Herausforderung für die Spitzenforschung

Bärbel Schubert

Die Spitzenforschung in Deutschland soll einen entscheidenden Schub bekommen. Dafür sollen DFG-Forschungszentren an den Universitäten sorgen, die neu eingerichtet werden. Die ersten zwei bis drei schon Mitte diesen Jahres, wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) jetzt mitteilte. International sichtbar und konkurrenzfähig sollen die neuen Zentren werden, Prunkstücke der Wissenschaft. Der Vergleich mit US-Spitzenuniversitäten drängt sich auf.

Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD), die als Schöpferin dieser Idee gilt, will für die Anschubfinanzierung Mittel aus den UMTS-Zinsersparnissen einsetzen. Ein großes Unternehmen: Für jedes der Forschungszentren können bis zu sechs zusätzliche Professuren, deren Ausstattung sowie Nachwuchsgruppen bewilligt werden. Die Ausstattung einer Professur in Naturwissenschaft, Technik und Medizin wird üblicherweise mit Kosten zwischen 500 000 Mark und 1,5 Millionen Mark veranschlagt.

Forschung nicht unbedingt Spitze

Spitzenforschung aus Deutschland ist längst nicht mehr automatisch auch international an der Spitze. Gleich drei Nobelpreise wurden in den letzten Jahren an Forscher verliehen, die zwar in Deutschland geboren wurden. Ihre wissenschaftliche Anerkennung erwarben sie sich aber im Ausland - wie viele andere deutsche Wissenschaftler auch in den USA. Untersuchungen zur Forschungssituation haben zudem die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, dass Deutschland bei der Vermarktung und Weiterentwicklung von Forschungen unterhalb des Hightech-Levels weiterhin Spitze ist. Ein High-Tech-Land ist es aber nicht. In den Spitzenbereichen der Forschung kommen neue Ergebnisse zumeist nicht mehr aus Deutschland. Für eine führende Industrienation ein problematischer Befund.

Die jetzt eingesetzten Mittel für die neuen Zentren sollen aber eine vielfältige Wirkung entfalten, weil die Zusammenarbeit mit anderen Forschungseinrichtungen über die Hochschule hinaus Voraussetzung für den Zuschlag der Zentren ist. Dazu wird die Zusammenarbeit mit anderen Forschungseinrichtungen in sogenannten Clustern vorausgesetzt. Diese gelten derzeit als unverzichtbar für die Spitzenforschung.

Insgesamt sind daraus für die "Zukunftsinitiative Hochschule" in diesem Jahr 275 Millionen Mark vorgesehen, im kommenden 360 Millionen und für das Jahr 2003 rund 410 Millionen Mark - zusätzlich zu den normalen Hochschulmitteln. Mit diesem Geld müssen allerdings auch andere Aufgaben finanziert werden, wie die Verbesserung der Forschungsinfrastruktur. Nach Bulmahns Worten sollen alle Stellen an den neuen Forschungseinrichtungen international ausgeschrieben und der akademische Nachwuchs dort besonders gefördert werden. Angesichts des enormen Nachwuchsmangels in den Natur- und Ingenieurwissenschaften tragen die Einrichtungen damit auch erheblich zum Selbsterhalt ihrer Fächer bei.

Berlin bisher nicht erfolgreich

Der DFG-Senat hat für die letzte Bewerbungsrunde im ersten Durchgang aus 80 Bewerbungen jetzt sieben Hochschulen und ihre Projekte ausgewählt. Sie kommen aus den Bereichen Meeresforschung, Proteinbiochemie, Nanowissenschaften, Sprachforschung, Transplantations- und Biomedizin. Antragsteller sind die Universitäten Bremen, Frankfurt/Main, Hamburg, Karlsruhe, Saarbrücken, Würzburg und die Medizinische Hochschule Hannover.

Aus Berlin haben sich bisher die Freie und die Humboldt-Universität mit gemeinsamen Projekten beworben. Ein gemeinsames Projekt gilt dem "Zentrum alte Welt, den Techniken und Kulturen des Wissens in der alten Welt". Von der Technischen Universität waren keine Angaben zu bekommen. Voraussetzung für die Auswahl war, dass die Hochschulen bereits über eine "ausgewiesen kooperative Basis" verfügten, also mit anderen Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten, und mit dem neuen Zentrum ihrem Forschungsgebiet "eine innovative und konkrete Erweiterung" geben wollen. Anträge kamen von 56 Hochschulen, teilte die DFG mit.

Für die ab dem Jahr 2002 geplanten Zentren sind - anders als in der ersten Runde - zwei Themengebiete vorgegeben: "Neurowissenschaften: Von den molekularen Grundlagen bis zur Kognition" -, wobei auch Gemeinschaftsinitiativen mit Ingenieur- und Geisteswissenschaften angesprochen sind - sowie "Modellierung und Simulation in den Ingenieur-, Natur- und Sozialwissenschaften". Wie viele Forschungszentren letztlich eingerichtet werden, soll noch offen sein.

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