Gesundheit : Die Affäre Dreyfus als Lehrstück Potsdamer Studenten eröffnen Ausstellung

Mathias Hamann

„J’accuse – ich klage an!“ Mit diesem Ausruf beginnt am 13. Januar 1898 der berühmte offene Brief Emile Zolas in der Pariser Zeitung „L’Aurore“. Der sozialkritische Schriftsteller schreibt an den französischen Präsidenten: „Die schreckliche Dreyfus-Affäre beschmutzt Ihre Regierungszeit.“

Nachzulesen ist der Brief jetzt in Hamburg. An der Führungsakademie der Bundeswehr eröffnete gestern eine Ausstellung über die Dreyfus-Affäre. Erarbeitet wurde sie von Studierenden des Moses-Mendelssohn-Zentrums für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam. Die historischen Dokumente, Uniformen, Postkarten, Artikel und Briefe gehen nach der ersten Station in Hamburg auf eine Wanderausstellung nach Potsdam, Berlin, Dresden, zum Bundesgerichtshof nach Karlsruhe und zum Schluss in die USA.

Die 231 Exponate stammen aus der Sammlung der amerikanischen Erziehungswissenschaftlerin Lorraine Beitler. Sie hat vor 30 Jahren begonnen, zur Dreyfus-Affäre zu sammeln. Gegen Vorurteile und Diskriminierung engagiert sich Lorraine Beitler, selbst Jüdin, ihr Leben lang, organisiert Programme für afroamerikanische Kinder.

Rückblende: Im Dezember 1894 wird Alfred Dreyfus verurteilt. Der französische Hauptmann der Artillerie soll für das Deutsche Reich spioniert haben. Die Beweise dafür sind mehr als dürftig, aber er ist Jude und stammt aus dem Elsass, das seit 1871 deutsch ist. Das französische Militär ist stark antisemitisch, Zeitungen schüren Hetzkampagnen, so wird Dreyfus erst vorverurteilt und schließlich verurteilt. Der Reporter der Wiener „Neuen Presse“ Theodor Herzl schreibt unter dem Eindruck der antisemitischen Hetzkampagnen „Der Judenstaat“, ein Werk, das den politischen Zionismus begründete und zur Entstehung Israels führte.

Dreyfus droht nach der Verurteilung ein grausames Schicksal: Verbannung, lebenslang, auf die Teufelsinsel, der Strafkolonie vor Französisch-Guyana. Doch dazu kommt es nicht. Massenmedien haben Kampagnen gegen Dreyfus geschürt, Massenmedien engagieren sich 1898 für ihn, denn es gibt Beweise für seine Unschuld. Der Höhepunkt ist der offene Brief von Emil Zola.

Der Prozess wird neu aufgerollt, Dreyfus wieder vor Gericht gestellt, erneut verurteilt, begnadigt und 1906 rehabilitiert. „Dieser Justizskandal hat Frankreich tief gespalten“, erklärt Elke-Vera Kotowski, Geschäftsführerin des Moses-Mendelssohn-Zentrums, „aber auch in Deutschland seine Spuren hinterlassen.“

Wenn die Ausstellung ab dem 12. Juli am Potsdamer Zentrum und ab dem 1. September im Berliner Centrum Judaicum zu sehen ist, wollen die Potsdamer auch mit Schulklassen arbeiten. Nicht nur Deutschen, auch Migrantenkindern soll die Gefahr von Vorurteilen, Medienmacht und die Wichtigkeit von Grundrechten näher gebracht werden

Termine der Ausstellung: 26. Mai bis 19. Juni Führungsakademie der Bundeswehr, Hamburg; 12. Juli bis 19. August im Moses- Mendelssohn-Zentrum, Potsdam; 1. September bis 12. Oktober im Centrum Judaicum, Berlin.

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