Gesundheit : „Die Akademien sollen sich nicht überheben“

Uwe Schlicht

Dieter Simon, der Präsident der BerlinBrandenburgischen Akademie der Wissenschaften, hat den deutschen Akademien der Wissenschaften davon abgeraten, die deutsche Wissenschaft gegenüber dem Ausland vertreten zu wollen. Damit würden sie sich „überfordern“. Weder seien sie dafür legitimiert, noch ausreichend qualifiziert, sagte Simon auf Leibniztag seiner Akademie. Die Auslandsvertretung könne nur durch eine von Wissenschaft und Politik neu gegründete wissenschaftliche Vertretungsinstanz geleistet werden.

Simon glaubt auch nicht daran, dass die Akademien eine Politikberatung über Zukunftsthemen wirklich umfassend leisten könnten. Die immer wieder genannten Themen wie Bevölkerungsentwicklung, Migration, Arbeit ,Klimawandel, Biodiversität und Verkehr seien eher Gegenwartsthemen. Die Wissenschaft solle sich lieber über ihre eigene Zukunft Gedanken machen, nämlich darüber, welche Entwicklung auf nationaler und transnationaler Ebene Wissenschaft und Forschung sowie die Wissenschaftsförderung in einer Weltgesellschaft nehmen sollte. Diese Leerstelle werde bisher weder vom Wissenschaftsrat in Deutschland noch von der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgefüllt.

Von einem deutschen Elite-Netzwerk, wie es Bund und Länder im Moment planen, verspricht Simon sich nicht viel. Es werde Deutschland nicht gelingen, nur mit einem Netzwerk dieser Art Erfolg zu haben. Das Land brauche symbolisch aufgeladene Institutionen, also ganze Eliteuniversitäten, um im Ausland Erfolg zu haben. Dieter Simon zeigte sich skeptisch, ob es Deutschland auf absehbare Zeit gelingen werde, auf dem Weltmarkt der Wissenschaftler den gleichen Erfolg zu haben, wie die Amerikaner mit ihren Spitzenuniversitäten.

Auf dem Leibniztag, der im Gedenken an die Gründung der Akademie durch Gottfried Wilhelm Leibniz im Jahr 1700 immer Anfang Juli begangen wird, ehrte wurde der Historiker Hans-Ulrich Wehler mit der Helmholtz-Medaille geehrt. Der Physiker und Spezialist für die Strömungsforschung, Werner Albring von der Technischen Universität Dresden, erhielt kurz vor seinem 90. Geburtstag die Ehrenmitgliedschaft. In der DDR war Albring Nationalpreisträger.

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