Gesundheit : Die Akademien wollen besser werden

Uwe Schlicht

Wenn von den acht Akademien der Wissenschaften in Deutschland die Rede ist, denken die Kritiker sofort an die Langzeitvorhaben. Sie fragen mit spöttischem Lächeln, wie man an römischen Inschriften 150 Jahre lang forschen kann, und warum das Wörterbuch der Brüder Grimm immer noch nicht abgeschlossen ist. Zurzeit gibt es 167 Akademieprojekte, die jährlich von Bund und Ländern mit 41,4 Millionen Euro finanziert werden. Von diesen haben 65 eine Laufzeit von 26 bis 50 Jahren erreicht, 42 Vorhaben dauern 51 oder mehr Jahre.

Doch das unlängst vorgelegte Gutachten des Wissenschaftsrats stärkt die Akademien. Für die Geistes- und Kulturwissenschaften seien sie „der wichtigste Ort“, um empirische Grundlagen für die „künftige Forschung zu sichern“. Außerdem hätten die kleinen Fächer in den Akademien die Chance, ihre Zersplitterung zu überwinden und sich auf disziplinübergreifende Perspektiven zu konzentrieren.

Allerdings sollen die Akademien nach Ansicht des Wissenschaftsrats die Finger von Naturwissenschaften und Medizin lassen – mit Ausnahme der Leopoldina in Halle. Und wenn sie künftig neue Akademieprojekte aufnehmen, müssen sie auch an das absehbare Ende denken, damit Geld für neue Vorhaben frei wird. Das geheiligte Sitzlandprinzip wird entheiligt: Wenn eine Akademie ein Projekt aufgibt, steht ihr damit nicht automatisch das Recht zu, ein neues Projekt zu starten. Vielmehr soll in einem Wettbewerb unter allen Akademien unabhängig vom Sitzlandprinzip das interessanteste neue Vorhaben gefördert werden. Wie lange darf ein Langzeitvorhaben künftig dauern? Auf keinen Fall soll ein Langzeitvorhaben „zum wissenschaftsgeschichtlichen Spiegel“ von Forschungsvorlieben nicht mehr aktiver Gelehrtengenerationen werden. Die Gefahr ist: Mit steigender Laufzeit verselbstständigen sich solche Vorhaben und drohen zu einer Geschichte ohne Ende zu werden. Dadurch wird die Erneuerung des Akademieprogramms erschwert.

Auch aus diesem Grund fordert der Wissenschaftsrat, dass die Bewertung der Akademievorhaben künftig nicht mehr intern vorgenommen wird. Der Vorsitzende der Wissenschaftlichen Kommission in der Union der Akademien, Volker Gerhardt, weist darauf hin, dass sich die Akademien zur Reform bekennen. Schon jetzt überprüfen sie alle drei Jahre ihre Projekte daraufhin, dass der Arbeitsplan eingehalten wird. Und nach 25 Jahren wird ein Akademieprojekt einer Generalrevision unterzogen. Inzwischen gehen die Akademien davon aus, dass pro Jahr fünf bis acht Vorhaben durch neue ersetzt werden.

Aber noch gibt es in den Akademien keine Klarheit darüber, wie man mit Langzeitvorhaben verfährt, die 50 Jahre und länger im Programm sind. Ein Projekt, das 50 Jahre dauert, sollte danach höchstens um zehn bis 15 Jahre verlängert werden, schlägt Gerhardt vor. Dann müsse man entscheiden, ob es als Torso beendet wird oder als Daueraufgabe historischen Archiven oder Instituten übergeben werden soll.

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