Gesundheit : Die Arbeitsplätze werden immer sicherer

Rosemarie Stein

Unfälle seien für Jüngere die bedeutendste Todesursache; bei unter 45-Jährigen gingen durch den Unfalltod mehr Lebensjahre verloren als durch Krebs- und Herz-Kreislaufleiden zusammen. Dennoch vernachlässige man in Deutschland die Unfallursachenforschung und Prävention. Dies beklagten Unfallchirurgen auf ihrer Jahrestagung letzte Woche in Berlin. Selbst die Zahl der Verletzten sei nicht genau bekannt, weil es noch immer kein Trauma-Register gebe.

Die Schätzungen schwanken zwischen fünfeinhalb und zehn Millionen Verletzte pro Jahr in Deutschland. Die höhere Zahl nennt eine Broschüre der Bundesärztekammer und der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, die auf dem Kongress vorgestellt wurde: "Verletzungen und deren Folgen - Prävention als ärztliche Aufgabe". (Schriftlich zu bestellen für 22,50 Mark bei der Bundesärztekammer, Dezernat für Fortbildung und Gesundheitsförderung, Herbert-Lewin-Straße 1, 50931 Köln, oder über Internet: www.bundesaerztekammer.de themen a-z/fortbildung, wo auch eine Kurzfassung zu lesen ist.)

Über 30 000 Unfalltote jährlich

"Harte Daten" gibt es nur über die Unfalltoten: 34 000 starben 1998 an Verletzungen einschließlich Vergiftungen. Etwa 11 600 dieser gewaltsamen Todesfälle wurden als Selbsttötungen eingestuft. Sieht man von den Suiziden ab, dann standen 1998 mit 8000 Toten noch die Straßenverkehrsunfälle an der Spitze der Ursachen. Der Münchner Unfallchirurg Günter Lob, Mitautor der Publikation, hob auf der Tagung allerdings hervor, dass die Zahl der Verkehrstoten sinkt: im Jahr 2000 waren es 5800.

Auch die Zahl der tödlichen Verletzungen am Arbeitsplatz ist durch vielfältige Präventionsmaßnahmen erfreulich zurückgegangen. Von den 1,2 Millionen meldepflichtigen Arbeitsunfällen verliefen 1998 nur 950 tödlich. Dagegen steigt die Zahl derer, die bei den - oft unterschätzten - häuslichen Unfällen ums Leben kommen. Für 1998 wird sie mit 6000 angegeben. Was die Zahl der Verletzten im Haus und bei Freizeitbeschäftigungen angeht, so ist die Datenlage hier am unsichersten. Nach repräsentativen Befragungen passieren 28 Prozent aller Unfälle Erwachsener in der häuslichen Umgebung und 23 Prozent bei Spiel und Sport. Besonders gefährdet sind die unter Dreißigjährigen sowie die über Siebzigjährigen, letztere vor allem durch Stürze.

Risiko für Kinder steigt

Außer den Älteren haben vor allem Kinder ein hohes Unfall-Risiko - mit steigender Tendenz. Von etwa zwei Millionen im Jahr 1996 verunglückten Kindern mit behandlungsbedürftigen Verletzungen starben fast 700, 3500 blieben behindert. Ein Drittel der Kinderunfälle geschah zu Hause und in der Freizeit, die meisten davon auf öffentlichen Spielplätzen, etwa 55 Prozent in der Schule und nur zwölf Prozent im Straßenverkehr. Neben dem Fahrrad spielen dabei die Inlineskates eine immer größere Rolle. Gerade für das Kindes- und Jugendalter ist aber in Deutschland die Unfallursachenforschung nur schwach entwickelt.

30 bis 60 Prozent aller Unfälle wären - nach unterschiedlichen Schätzungen - durch Bündelung gezielter Maßnahmen zu verhindern, bei Kindern sogar 80 Prozent. Die Bundesärztekammer und die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie empfehlen in ihrer Broschüre den Aufbau eines nationalen Unfallpräventionprogramms auf wissenschaftlicher Grundlage nach dem Vorbild anderer Länder.

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