Gesundheit : Die Berliner Leibniz-Preisträger: Zwischen den Welten

Anja Kühne

Warum er den Leibniz-Preis bekommen hat? "Das fragen Sie lieber die, die ihn mir gegeben haben", sagt Joachim Küpper. Als ihn die freudige Nachricht in der vergangenen Woche erreichte, war er überrascht: "Natürlich sind meine Arbeiten nicht schlecht, aber ein bisschen Glück gehört eben auch dazu." Und eine besonders große wissenschaftliche Neugier. Die Wissenschaftler im Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die jedes Jahr den höchsten deutschen Förderpreis verleihen, waren besonders von der internationalen und interdisziplinären Ausrichtung seiner Forschung angetan.

So kümmert sich der 48jährige Romanist um die französische wie um die spanische und italienische Literatur, forscht aber auch in den Nachbardisziplinen und liest neben literarischen theologische oder philosophische Texte: "Alles andere wäre mir zu eng." Für Küpper ist das "ästhetische Werk" ein Bestandteil des "gesamtgesellschaftlichen Diskurses". Als interdisziplinär forschender und nicht nur historisch, sondern auch theoretisch interessierter Geisteswissenschaftler (besonders beeinflusst hat ihn Foucault) "liege ich ziemlich im Trend", sagt Küpper, "daher der Preis".

Bei Küppers breit angelegtem Interesse verwundert es nicht, dass er dem Ruf auf eine Professur gefolgt ist, zu der nicht nur die Romanistik, sondern auch die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft gehört: Im März kam Küpper aus Wuppertal an die FU Berlin. Natürlich reizte ihn Berlin auch als Stadt, "selbst wenn ich bisher nur zwei Mal Zeit fürs Theater hatte." Eine Familie mit eigenen Kindern hat er nicht mitgebracht, "aber die Arbeit mit den Studis macht mir enorm viel Spaß". Bis 1989 lehrte Küpper an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, wo er 1987 auch habilitierte. Thema war die "Diskurs-Renovation bei Lope de Vega und Calderón". Für die Arbeit erhielt er damals den ebenfalls renommierten Heinz Maier-Leibnitz-Preis.

Auch zeitlich gesehen reizen Küpper Grenzüberschreitungen: Seit fünf Jahren beschäftigt ihn die Frage, warum es eine echte "Moderne" nur in der westlichen Kultur gegeben hat, andere Kulturen einen so gewaltigen Umbruch wie den zwischen Mittelalter und Neuzeit aber nicht kennen. Vielleicht liegt ein Grund dafür darin, dass der Westen sich von seinem religiösen Weltbild mit der Entdeckung Amerikas lösen musste, überlegt er: "Die Menschen hatten die Bibel im Kopf, als sie die neue Welt entdeckt haben. Da war Amerika aber mit keinem Wort erwähnt worden."

Um diesen Bruch besser zu verstehen, will Küpper sein Preisgeld von 1,5 Millionen Mark zum Teil dafür ausgeben, Symposien mit international bekannten Wissenschaftlern zu veranstalten: "Das ist enorm kostenaufwendig. Die amerikanischen Gelehrten sind sehr verwöhnt, die kann man nicht einfach ins Gästehaus der FU stecken." Berlin als Wissenschaftsmetropole habe im Ausland bereits heute einen ausgezeichneten Ruf. Den Unis hier - auch der FU - räumt er beste Chancen ein, den Erneuerungsprozess zu bewältigen, "wenn sie gute Leute auch aus anderen Ländern holen." Sein Fach, die Romanistik, wird dabei in der Zukunft sicher mitspielen, wie er glaubt: Der Zulauf sei ungebrochen, "Frankreich ist unser wichtigster Partner in der EU und unser Nachbar. Es ist wichtig, dass es Leute gibt, die verstehen, wie dieses Land funktioniert."

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