Gesundheit : Die bessere Hälfte

FLORIAN URSCHEL

ist Erstsemester in Berlin – und Bachelorstudent Massenuni – bisher dachte ich bei diesem Wort immer an eine riesige, voll gestopfte und unübersichtliche Hochschule, in der der Student als einsamer Wanderer völlig untertaucht. Aber jetzt weiß ich: Massenuni ist genau das Gegenteil. Zumindest, wenn man Bachelorstudent ist und einen festen Stundenplan hat.

Bereits jetzt, nach wenigen Wochen an der Uni, treffe ich ständig bekannte Gesichter. In der Schlange vor der Essensausgabe, auf dem Weg zwischen den Instituten, am Waschbecken auf der Toilette. Selbst morgens in der hoffnungslos überfüllten U-Bahn ertönt direkt neben mir eine Stimme und reißt mich unsanft aus meinem Schlummer: „Hey, bist du nicht auch Bachelorstudent mit Lehramtsoption?“

So fangen die Gespräche immer an. Ganz harmlos, im Plauderton. Das Bachelorstudium verbindet uns zunächst nur lose. Aber nachdem wir uns zu erkennen gegeben haben, kochen unvermeidlich unsere geheimbündlerischen Verschwörungstheorien hoch. Denn schon am Anfang des Studiums hat jedes unserer Gespräche zwangsläufig ein von Rätseln umranktes Thema: Den Übergang vom Bachelor zum Master, dem Aufbaustudium. „Hast du auch gehört“, raunt der Anhänger der Münzwurftheorie, „die wollen nur die Hälfte von uns den Master machen lassen. Anweisung von ganz oben. Nur jeder Zweite kann Lehrer werden!“

„Jeder zweite?“, orakelt eine Darwinistin. „Ich hab was gehört von einem Studenten pro Semester.“ „Ach was“, weiß ein dritter, der an die Durchschleif-Methode glaubt. „Die brauchen uns doch als Lehrer! Wir müssen alle Master machen. Ob wir wollen oder nicht.“ Täglich kommen neue, abstruse Ideen hinzu. Und in drei Jahren wissen wir dann, wer Recht hat.

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