Gesundheit : Die Charité wird zu Tode gedoktert

Von George Turner, Wissenschaftssenator a.D.

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Wieder einmal wird an der Berliner Universitätsmedizin herumgedoktert. Und erneut ist schwerer Schaden für den „Patienten Universitätsmedizin“ zu befürchten. Die Fraktionen von SPD und PDS haben einen Gesetzentwurf eingebracht, dessen Initiatoren allen nur denkbaren Unsinn zusammengetragen haben.

Die Fülle von sieben Organen (Medizinsenat, Fakultätsrat, Aufsichtsrat, Vorstand, Fakultätsleitung, Klinikumsleitung und Zentrumsleitung) garantiert permanente Diskussionen um dieselben Gegenstände auf allen Ebenen und damit eine Lähmung des Apparats. Wenn man dann noch bedenkt, dass die Charité Gliedkörperschaft von FU und HU ist und die dortigen Gremien auch ihren Senf beitragen könnten, bekommt die Konstruktion Züge des Absurden.

Unter den 13 stimmberechtigten Mitgliedern des Medizinsenats ist unter Umständen kein Mediziner, da 12 von ihnen zwar Mitglieder einer der beiden Universitäten sein müssen, aber nicht der Charité angehören dürfen. Eine solche Missachtung medizinischen Sachverstands sucht ihresgleichen. Konsequent sachwidrig ist die Zusammensetzung des Aufsichtsrats. Von den elf stimmberechtigten und drei beratenden Mitgliedern sind bestenfalls zwei Ärzte, und zwar nur aus dem Kreis der vom Senat zu berufenden externen Sachverständigen. Keine Überraschung auch die Zusammensetzung des Vorstands: Die Sachkompetenz des Ärztlichen Direktors könnte ja stören.

Die Krankenpflegekommission hat sieben Mitglieder aus dem Kreis der Krankenpflegekräfte. Sie haben einen Anspruch auf Freistellung zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben in der Kommission. Über den Umfang ist nichts gesagt. Die bisherige extensive Praxis bei der Freistellung von Personalräten und Frauenbeauftragten lässt ahnen, womit man rechnen muss. Die übermäßige Privilegierung der Gruppe der „sonstigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ ist typisch. Im Fakultätsrat haben neben drei dem Gremium angehörenden Mitgliedern „eine Vertreterin oder ein Vertreter der Personalvertretung der Fakultät“ Rede- und Antragsrecht. Entsprechend ist der Aufsichtsrat konstruiert.

Ursprünglich wurde mit der Charité der Anspruch verbunden, die Medizin in Berlin zu einem international sichtbaren „Leuchtturm“ auszubauen. In der Präambel ist nur noch die Rede von der regionalen Gesundheits- bzw. Krankenversorgung. So wie der Entwurf des Gesetzes angelegt ist, sind alle Zeichen für eine provinzielle Veranstaltung gesetzt.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schreiben: g.turner@tagesspiegel.de

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