Gesundheit : Die Entdeckung der Leichtigkeit

Künstliche Libellen: An der Technischen Universität ahmen Forscher den Insektenflug nach

Hartmut Wewetzer

Im Hörsaal H0105 wird es ganz still. Andächtiges Schweigen, als ein Wissenschaftler das Flugzeug von der Balustrade fliegen lässt. Der Segelgleiter ist ein filigranes Gebilde aus feinen Balsaholz-Röhrchen und hauchdünner Folie. Die irisiert wie die Flügel einer Libelle. Der Gleiter scheint zu schweben. Nur allmählich, wie in Zeitlupe, verliert er an Höhe und landet schließlich wohlbehalten in den Armen von Ingo Rechenberg. Die Entdeckung der Leichtigkeit. Beifall.

Immer wieder lassen der Bionik-Professor Rechenberg und seine Mitarbeiter Flugzeuge in den Hörsaal-Himmel steigen: Mit kleinem Propeller-Motor, mit künstlichen Schwungfedern, mit einem von Hand aufziehbaren Rotor. Der kleinste Gleiter wiegt ganze 0,6 Gramm. „Nicht anfassen!“ ruft Rechenberg, wenn faszinierte Besucher nach zerbrechlichen Fliegern greifen oder sie aufheben wollen. Und der Zweck? Ein schöner Traum: „Auf dem Weg zum künstlichen Insektenflug“, heißt die Veranstaltung. Bionik – das Wort vereint Biologie und Technik.

Nicht die Luft, sondern das Wasser ist das Element von Timm Stückrath vom Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft. In der Experimentierhalle lärmen die Aggregate, mit denen künstliche Wellen erzeugt werden und Wasser gepumpt wird.

Stückraths Diplomand David Lunze hat ein Modell der Elbe gebaut. Hier wird es plötzlich politisch. Denn Lunze hat in sein Modell auch „Buhnen“ eingelassen – dass sind quer zum Flusslauf stehende Dämme. Buhnen bündeln das Wasser in der Flussmitte und erleichtern die Schifffahrt vor allem bei niedrigem Wasserstand.

Aber Buhnen sollen auch Mitschuld tragen am Elbe-Hochwasser. Stückrath widerspricht: „Unser Modell zeigt, dass Buhnen beim Hochwasser keine Rolle spielen – trotzdem behaupten Politiker das Gegenteil.“

Ausnahmsweise ist es also nicht die Chemie, die an diesem Abend in das Fahrwasser der Politik gekommen ist. Nein, die Chemie lässt es in aller Unschuld knallen. Martin Lerch und Joachim Pickhardt demonstrieren in ihrer Experimentalvorlesung, wie das „Branddreieck“ funktioniert: Brennbares Material, Sauerstoff und Zündquelle müssen zusammenkommen. Im Haushalt kann es da schon ganz schön gefährlich werden. Etwa, wenn das Haarspray an der brennenden Zigarette zum Flammenwerfer wird. Oder wenn ein paar Tropfen Waschbenzin reichen, um mit lautem Knall zu explodieren – die richtige Menge Luftsauerstoff vorausgesetzt. Sage niemand, die Wissenschaft sei nichts fürs richtige Leben.

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