Gesundheit : Die Fachhochschule spielt Universität

Berlins Wissenschaftssenator a.d.

TURNERS THESEN

zu Bildung und Politik

Die Kultusminister der Länder haben sich zu den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen geäußert. In dem Zusammenhang ist eine wichtige Unterscheidung zwischen Universitäten und Fachhochschulen aufgegeben worden. Bisher galt, dass Studiengänge an Fachhochschulen stärker anwendungsorientiert, solche an Universitäten stärker forschungsorientiert sein sollten. Diese Differenzierung soll nur noch für die Masterstudiengänge, nicht aber für die Ausbildung zum Bachelor gelten.

Der Fehler liegt bereits in früheren falschen Weichenstellungen. Die Fachhochschulen sind vor rund 30 Jahren, zum größten Teil als Nachfolgereinrichtungen der Ingenieurschulen, geschaffen worden. Ihre Aufgabe sollte eine betont praxisorientierte Ausbildung sein. Dem hätte es entsprochen, dass dort ein Studium mit dem Abschluss des Bachelor erfolgt, der Master den Universitäten vorbehalten bleibt.

Zwei Gründe waren ursächlich für eine andere Entwicklung: Zum einen wurden viele neue Stellen mit Vertretern aus dem Mittelbau der Universitäten besetzt, obwohl Voraussetzung für die Einstellung eine fünfjährige Tätigkeit in der Praxis – darunter hat man ursprünglich Industrie und Wirtschaft verstanden – gefordert wurde. Da es nicht hinreichend viele Bewerber mit entsprechenden Voraussetzungen gab, wurde etwa auch die Tätigkeit als Assistent an einem Universitätsinstitut „als Tätigkeit in der Praxis“ anerkannt. Die so Berufenen waren gewöhnt, „mehr forschungsorientiert“ zu arbeiten. Kein Wunder, dass sie die geübte Methode auch an ihrem neuen Arbeitsplatz praktizierten. Der zweite Grund ist ein standespolitischer. Die Vertretung der Lehrpersonen an Fachhochschulen muss etwas zur Verbesserung der Situation ihrer Klientel tun. Das ist möglich bei der Besoldung und bei der Festlegung des Lehrdeputats. Um dies zu senken, durfte es bei der Aufgabenstellung nicht nur bei der Lehre bleiben: Die anwendungsorientierte Forschung musste zur Dienstaufgabe werden. So wurde der Unterschied zwischen Universitäten und Fachhochschulen immer kleiner geredet.

Die KMK setzt nun diese im Ansatz verfehlte Politik fort. Zukünftig soll in einem Anhang zum Zeugnis (Diploma supplement) erkennbar sein, an welcher Universität oder Fachhochschule der Master oder Bachelor erworben worden ist. Der Titel als solcher besagt mithin noch gar nichts. Man wird in Zukunft also noch genauer hinsehen müssen, was hinter dem Titel steckt und was er verspricht. Statt Transparenz und Titelklarheit herrscht Verwirrung.

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