Gesundheit : Die fünf Gesichter der Penthesilea

TOM HEITHOFF

Schauspielstudenten der HdK-Abschlußklasse zeigen Kleists Drama VON TOM HEITHOFF

Schlachtgeklirr, Kampfgeschrei und Röcheln.Dazwischen Musik und Herzschlag.Regisseur Urs Schaub läßt sich noch einmal die Tonaufnahmen einspielen.Auf der Bühne dehnen die sieben Schauspielerinnen und ein Schauspieler der HdK-Abschlußklasse ihre Sehnen.Gleich soll die letzte Hauptprobe beginnen.Alle sind etwas nervös.Eine Assistentin stolpert über die Stufe im Zuschauerraum.Kurz bevor es losgehen soll, öffnet sich die Tür auf der Bühne und eine Frau in Weiß fragt, wo die Wasserflasche sei.Keine Kleistsche Frage natürlich, weshalb Regisseur Schaub höflich, doch bestimmt, um ein wenig mehr Disziplin bittet.Licht aus.Die Probe beginnt mit Stille.Die Penthesilea wird in dieser Inszenierung von fünf Schauspielerinnen verkörpert, "nicht nur, damit alle Frauen der Klasse in gleichem Maße zum Einsatz kommen, sondern auch, damit die Vielschichtigkeit der Figur sichtbar wird", wie Dramaturgieassistentin Gabi Altenbach erklärt.Sie ist in der Tat nicht einfach zu durchschauen, diese Königin des Amazonenstamms, die sich "vom giftigsten Pfeile Amors getroffen" in den Gegner Achill verliebt, obwohl es nach dem Gesetz der Amazonen verboten ist, sich einen bestimmten Mann zu erwählen.Immer wieder sucht sie im Schlachtgewühl Achill, um ihn zu besiegen - und doch eigentlich zu lieben.Schließlich tötet sie, dem Wahnsinn nahe, den Geliebten und folgt ihm in den Tod. Wiebke Puls, Juliane Buschbeck, Sylvia Buchbauer, Magoscha Siwinska und Vera Mäder tragen nacheinander das weiße Kleid der Penthesilea, und sind doch so verschieden.Es treten auf die Spröde, die Zarte, die Wilde, die Wahnsinnige, die Verzweifelte.Im Spiel fügen sich die Teile zu einer Figur, zu einem Bild der menschlichen Haß-Liebe, die erst im Tode ihren Haß verliert.Leidenschaften spielen die Schauspieler mit kontrollierter Gestik, und das fesselt den Blick.Auch das Bühnenbild entzückt durch Unaufgeregtheit.Nadine Meister aus der Klasse von Achim Freyer hat der riesigen schwarzen Bühne nur das Nötige zugetan.Der Horizont ist eine Kreidelinie.Auf dem Boden werden mit kleinen Filzdreiecken zwei Kraftfelder gezeichnet."Eine Form, die entsteht, wenn zwei Magneten ihre abstoßende Kraft in Eisenspäne formen", sagt sie.Dazu baut sie kluge Licht-Bilder: Wenn sich zwei Scheinwerfer quer über die Bühne anstrahlen, sich attackieren und zugleich vereinigen, spiegelt dies den Zwiespalt der Gefühle. In dieser runden Aufführung spielt sich keiner in den Vordergrund.Für Schauspielerin Magoscha Siwinska hat das Gründe: "In dieser Klasse herrscht kein Konkurrenzdruck, wir sind alle gut befreundet.Außerdem war die Arbeit mit Urs Schaub sehr fruchtbar", sagt sie.Und dann erzählt sie von der HdK-Ausbildung und gerät ins Schwärmen über den Gastprofessor Peter Stein, der im Winter mit ihnen gearbeitet hat und auch die Rollen für den letzten Ausbildungs-Akt vorbereiten wird, in dem sie einer Schar von Theaterintendanten ihr Können präsentieren.Wenn sie dann auf Intendanten stoßen, die Schauspieler und keine Faxenmacher suchen, braucht man ihnen keinen Daumen mehr zu drücken. Premiere heute um 19 Uhr 30 im Theatersaal der HdK, Fasanenstraße 1B.Der Eintritt ist frei.Weitere Aufführungen am 9.sowie 11.bis 17.Februar.

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