Gesundheit : Die Fusion jetzt engagiert beginnen Schrei nach Handlungsfähigkeit In der Universität bleiben! Pragmatisches Modell

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Ich bin gegen eine eigenständige Medizinische Hochschule in Berlin. Für uns vom UKBF ist die Verbindung zur Freien Universität, insbesondere wegen der Kooperation mit den Naturwissenschaften, essenziell.

Die BenzKommission hat bereits ein wegweisendes Expertengutachten für die Berliner Hochschulmedizin vorgelegt, an dessen Umsetzung sich alle angesprochenen Seiten mit Engagement machen sollten. Dabei sind diese Empfehlungen bestimmt kein „Pro-UKBF-Gutachten“. Auch auf unser Klinikum kommen erhebliche Einschnitte zu. Besonders schmerzhaft sind der Verlust von Geburtshilfe, Neonatologie, Pädiatrie und der Dermatologischen Klinik.

Wichtig ist, dass die Gestaltung für die künftige Universitätsmedizin zügig voranschreitet. Während die Politik die gesetzlichen Rahmenbedingungen schafft, sollten wir Hochschulmediziner uns über die inhaltliche Ausgestaltung der neuen Schwerpunkte verständigen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass man diesen Prozess, wie von den Experten vorgeschlagen, als Fusion zweier gleichberechtigter Klinika begreift und nicht, versucht, daraus eine feindliche Übernahme des UKBF durch die Charité zu machen. Es gibt eine Reihe hervorragend funktionierender wissenschaftlicher Kooperationen zwischen unseren Kliniken und Fakultäten. Darauf sollten wir jetzt aufbauen.

Die Neugestaltung der Hochschulmedizin wird uns noch eine Menge Arbeit abverlangen und weiter Ressourcen binden, die wir eigentlich dringlich für unsere fachliche Tätigkeit benötigen. Sie ist aber die einzige Chance, dass wir zu einer national und international herausragenden Struktur finden und den Schaden durch die gravierende Einsparung minimieren können.

Die Hochschulmedizin Berlins ertrinkt in Gutachten. Das neueste wird nun vom Wissenschaftsrat (WR) vorgelegt – als sechstes oder siebtes. Ein weiteres ist vom Senat in Auftrag gegeben worden und folgt im Juni. Danach wird man alles, was man tut, durch eines der Gutachten begründen können. Das hilft der Uni-Medizin nicht.

Wichtigster Inhalt des WR-Gutachtens ist die Bildung einer eigenständigen Medizinischen Hochschule Charité (MHC) mit relativ kleinem Vorstand – beides Vorschläge, die zwar im Gegensatz zum Expertengutachten stehen, aber dennoch bei den Beteiligten auf Sympathie stoßen. Warum ist das so?

Der Tod jedes größeren Unternehmens, so auch von Universitätsklinika, ist Planungsunsicherheit. Diese hat die Uni-Medizin in Berlin seit über einem Jahr. Der dadurch entstandene Schaden ist vermutlich schon jetzt höher, als die vom Senat geforderte Einsparsumme. Wir benötigen handlungsfähige Organisations- und Leitungsstrukturen. Diese wären in einer klar gegliederten, von den Experimenten des Benz-Gutachtens befreiten relativ autonomen Hochschulmedizin mit stringenter Leitung möglich.

Die Politik sollte daher jetzt das Vorschaltgesetz mit folgenden Rahmenbedingungen formulieren: 1. Fusion von Charité und UKBF zu einem Klinikum und einer Fakultät, 2. Selbstständigkeit als Medizinische Universität Charité, 3. Entstaatlichung als vollrechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts, 4. Festlegung auf einen integrierten Vorstand mit weitgehender Handlungsfreiheit, 4. Berufung eines Gründungsausschusses, der personell zumindest teilweise in den Aufsichtsrat übergeht. Diese Struktur sollte nach 5 Jahren überprüft werden, um ggf. eine Reintegration in die Universität vorzunehmen.

Meine Priorität ist es, die Medizin in universitärer Anbindung zu belassen. Gerade im Zukunftsbereich Biowissenschaften wird die Zusammenarbeit mit den Naturwissenschaftlern immer wichtiger. Und das kann man in gemeinsamen Strukturen einfach leichter realisieren. Am Standort Steglitz/Dahlem profitieren wir bisher stark von der Integration in den Campus der Freien Universität. Damit würden wir einen wichtigen Standortvorteil verlieren. An der Humboldt-Universität mit dem naturwissenschaftlichen Campus in Adlershof und der Charité in Mitte gibt es hier eine etwas andere Situation.

Bisher scheint auch die Politik eine Medizinische Hochschule nicht zu akzeptieren. Das hat sicher damit zu tun, dass angesichts der Sparvorgaben die Gründung einer neuen Hochschule schwer zu rechtfertigen ist.

Eine Lösung, die wir strikt ablehnen, ist vor allem eine, in der die Medizin künftig ausschließlich von der Humboldt-Universität vertreten wird. Da fehlt einfach die Balance. Alle Standorte sollten sich in der künftigen Uni-Medizin auch wiederfinden. Dafür ist eine gemeinsame Fakultät, die beiden Universitäten angegliedert ist, nach wie vor eine Lösung. An dem entsprechenden, von der Benz-Kommission vorgeschlagenen Modell, werden jetzt zwar komplizierte Binnenstrukturen kritisiert. Doch dieses Problem halte ich für lösbar, z.B. durch Einbeziehung der jetzt im Wissenschaftsratspapier vorgeschlagenen Leitungs- und Gremienempfehlungen. Kurz: eine Fusion zwischen beiden Papieren, die sich ja ohnehin in der Grundaussage stark überlappen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, auch die zukünftige Interaktionsstruktur zwischen Forschung, Lehre und Krankenversorgung klar zu definieren.

Meine Vision ist seit langem eine Medizinfakultät an der Humboldt-Universität – jedenfalls unter dem Spardruck in Berlin, dem wir uns nicht entziehen können. Das ist aber für die Freie Universität und das Klinikum Benjamin Franklin kaum zumutbar – aus historischen Gründen und wegen der Identifikation der Kollegen mit ihrer Hochschule.

Wenn ich meine Vision aber nicht durchsetzen kann, scheint mir der erfolgversprechendste Vorschlag die Medizinische Hochschule Charité zu sein. So wie vom Medizinausschuss des Wissenschaftsrates vorgeschlagen, hat die neue Hochschule klare Entscheidungsstrukturen, wie für den Umbau der Hochschulmedizin nötig. Ohne klare Kompetenzen kann der Neuanfang nicht gelingen. In diesem Punkt war das Modell der Benz-Kommission wenig überzeugend. Besser als Medizinische Hochschule sollte der Neuling allerdings Medizinische Universität heißen.

Der Einwand, dass die Zusammenarbeit von Medizin und Naturwissenschaft beziehungsweise Geisteswissenschaften würde durch die Trennung eingeschränkt, halte ich für wenig stichhaltig. Das geht auch über Hochschulgrenzen hinweg und wird mit Max-Planck-, Fraunhofer-Instituten und anderen außeruniversitären Forschungseinrichtungen bereits praktiziert.

Was wir für die Zukunft außerdem unbedingt noch brauchen, ist eine klare Trennung der Geldflüsse. Die Mittel für Forschung und Lehre einerseits und Krankenversorgung andererseits müssen budgetgerecht verwandt werden. Transparenz und eine getrennte Kostenrechnung sind nötig. Dafür fehlt aber bisher ein befriedigendes Modell.

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