Gesundheit : Die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit versucht Ugandischen Kindern Lernmöglichkeiten anzubieten

Elvira Treffinger

"Wau-wau macht der Hund, muh-muh macht die Kuh." Die Lehrerin gibt den Rhythmus vor, mehr als hundert Kinder sprechen den Vers nach, klatschen in die Hände. Im Englisch-Unterricht der dritten Klasse geht es um "sprechende Tiere". Der Raum ist total überfüllt. Zu dritt oder viert in die Schulbänke gezwängt, können sich die Jungen und Mädchen kaum regen. Wie hier im Armenviertel der Hauptstadt Kampala platzen viele Grundschulen in Uganda aus den Nähten. Trotzdem bleibt Bildung für arme Kinder oft unerreichbar.

Vor zwei Jahren tat die Regierung des ostafrikanischen Landes einen wichtigen Schritt: Vier Kinder aus jeder Familie wurden von den Gebühren staatlicher Grundschulen befreit. "Zwei davon müssen Mädchen sein", sagt die Staatsministerin für Kinder und Jugend, Mary Kakembo Nsangi. Seither verdoppelte sich vielerorts die Schülerzahl, im Armenviertel Naguru lernen heute rund 1200 statt vorher 700.

Dennoch gehen in Uganda immer noch 40 Prozent der Jungen und Mädchen zwischen sechs und 13 Jahren nicht zur Schule, so schätzen Experten. Kinderreiche Familien können oft nicht einmal das Geld für Schuluniformen, Schuhe, Bücher, Hefte und das Mittagessen an den Ganztagsschulen aufbringen. Viele haben Bürgerkriegs- oder Aids-Waisen aufgenommen. "Viele Kinder werden zwar eingeschult, aber dann geht den Eltern das Geld aus", sagt Irmgard Luecke, die das Büro der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Kampala leitet. Mit deutscher Entwicklungshilfe baute deshalb die GTZ mit dem ugandischen Bildungsministerium und der Stadt Kampala "Lernzentren" für Kinder auf, die noch nie zur Schule gingen oder sie abgebrochen haben. Nachmittags gibt es drei Stunden Unterricht, denn morgens müssen viele Kinder arbeiten.

Neben Lesen, Schreiben und Rechnen sollen die Jungen und Mädchen hier auch "Life Skills" lernen - Fähigkeiten zum Leben und Überleben. Es geht um Selbstbewusstsein, Verantwortung und die Lösung von Konflikten. "Meine Rechte" stehen ebenso auf dem Lehrplan der Kinder wie "Wasser" und "Zeitorganisation in der Familie".

"Efumbiro" (Küche) schreibt der Lehrer an die Tafel. Er spricht Luganda, das ist die Muttersprache vieler Familien in Naguru. In das Lernzentrum kommen 37 Kinder, das jüngste ist sieben, das älteste 15 Jahre alt. Viele sind barfuß, sie sitzen auf dem Boden, Schulbänke gibt es nicht. Weiße Plastikplanen dienen als Dach für die Hütte, die die Einwohner des Viertel zur Verfügung gestellt haben. Hier leben viele Polizisten, die umgerechnet nur 200 Mark im Monat verdienen.

"Ich habe keinen Vater", sagt Kaggwa Noel. Seine Mutter baue Mais und Bohnen an oder verkaufe Bastmatten. Wie sie geflochten werden, wie man Schuhabstreifer aus Flaschendeckeln bastelt oder schwarze Schuhcreme mischt, lernt der Dreizehnjährige hier im Zentrum. Zwei Jahre lang besuchte der Junge die Grundschule. "Dann konnte ich die Gebühren nicht mehr bezahlen, ich habe elf Geschwister."

In Kampala gibt es insgesamt sieben Lernzentren für knapp 500 Kinder. Das außerschulische Grundbildungsprojekt wird mit 5,5 Millionen Mark aus Deutschland unterstützt. Der Unterricht ist auf drei Jahre angelegt und an Schulen orientiert. Denn die Lernzentren sollen nicht als Ersatz, sondern als Brücke zur siebenjährigen Grundschule dienen. Wenn irgendwie möglich, sollen die Kinder auf die Schulbank zurück.

Kaggwa Noel jedenfalls gefällt das Lernzentrum besser als die Schule. Denn hier wird auch getanzt und musiziert. Der musikalische Junge, der ein wenig Trompete und Xylophon spielt, träumt davon, in einer Band Gitarre zu spielen. Welche Musikrichtung stellt er sich vor? Rolling Stones oder Michael Jackson? Kaggwa Noel schüttelt den Kopf: "Nein, ugandische Musik."

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