Gesundheit : Die größte Berliner Fachhochschule sucht einen Zentralcampus

Heiko Schwarzburger

Die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) braucht dringend einen zentralen Campus. Mit dieser Forderung hat nun auch FHTW-Präsident Helmut Schmidt in die aktuelle Debatte um neue Sparauflagen für die Berliner Hochschulen eingegriffen. Bisher ist die FHTW auf fünf Standorte im Ostteil Berlins verteilt: auf die Treskowallee in Karlshorst, den Warschauer Platz in Friedrichshain, die Allee der Kosmonauten und ein Gelände an der Marktstraße, beide in Lichtenberg, sowie auf einige Lehrgebäude in Blankenburg an der nördlichen Stadtgrenze Berlins. An allen fünf Standorten befanden sich vor der Wende die verschiedenen Ingenieurschulen und Ausbildungszentren, die später in der 1991 neu gegründeten FHTW Berlin aufgingen.

Waren bis vor zwei Jahren immer wieder privat finanzierte Modelle für einen Campus-Ausbau an der Treskowallee im Gespräch, favorisiert die Hochschulleitung mittlerweile eine Variante, bei der neben Landesmitteln auch Bundesmittel und Gelder aus dem Subventionsfonds der Europäischen Union für strukturschwache Regionen (EFRE) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) zum Einsatz kommen könnten. "Eine solche Mischfinanzierung entspricht dem Weg, der derzeit in Adlershof beschritten wird", sagte Helmut Schmidt, Präsident der FHTW, gegenüber dem Tagesspiegel. Die FHTW hat derzeit 8000 Studenten, etwa 10 000 sollen es werden.

In den zurückliegenden Monaten hatte sich das Kuratorium der FHTW mehrfach mit Ideen für einen zentralen Campus beschäftigt und die Erweiterung vor allem an der Treskowallee und einem Standort in Oberspree favorisiert. "Wir könnten einige Außenstellen in Neubauten in Karlshorst oder in sanierten Gebäuden auf dem Gelände des früheren Kabelwerkes in Oberspree konzentrieren", erklärte Helmut Schmidt. "Dann hätten wir nur noch zwei oder drei große Standorte, das wäre wesentlich besser als jetzt. Natürlich bleibt ein Campus für alle Studenten das langfristige Ziel."

Inzwischen hat die FHTW das Angebot eines privaten Investors, der den Ausbau vorfinanzieren wollte, auf Eis gelegt. Präsident Schmidt begründet die Entscheidung damit, dass die Kosten für die Anmietung der Neubauten über mehrere Jahrzehnte bei jährlich rund 25 Millionen Mark liegen würden. "Das entspricht einem Drittel unseres gesamten Etats", meinte er. "In der gegenwärtigen Situation ist überhaupt nicht daran zu denken, dass das Land unseren Haushalt dafür aufstockt." Bei einer solchen Variante wäre es auch nicht möglich, Bundesmittel für den Hochschulbau einzusetzen. Wenn dagegen Hochschulbauten staatlich finanziert werden, trägt der Bund davon die Hälfte bei.

Land legt Gutachten vor

Stadtentwicklungssenator Peter Strieder lässt derzeit ein Gutachten erstellen, dass dem Land eine Entscheidungsgrundlage für einen geeigneten Campus der FHTW liefern soll. Ende Mai soll dieses Gutachten vorliegen. Für die Zeit danach mahnt Helmut Schmidt endlich Taten an: "In der Koalitionsvereinbarung steht, dass die FHTW als wichtige Hochschule entwickelt werden soll. Wir müssen endlich aufhören, uns in den Provisorien teuer einzurichten, da die Hochschule in ihrer räumlichen Zerrissenheit nur eingeschränkt arbeitsfähig ist." Schon jetzt reiche der Bauetat der Hochschule nicht mehr aus, um alle Löcher zu stopfen. "Die Gefahr besteht, dass wir eine unserer Außenstellen schließen müssen, weil wir nicht mehr das Geld haben, undichte Dächer zu reparieren."

Völlig unzureichend ist auch die elektronische Vernetzung der verschiedenen FHTW-Außenstellen mit dem Hauptgebäude in Karlshorst. Zum Warschauer Platz beispielsweise gibt es nur eine ISDN-Standleitung, Provisorien halten den Netzbetrieb leidlich aufrecht. "Unser Datennetz ist am Ende seiner Leistungsfähigkeit", schätzt Schmidt ein, der selbst Nachrichtentechniker ist und früher die Fachhochschule der Telekom in Berlin geleitet hatte. "Aber die räumliche Aufsplitterung lässt ein funktionierendes Netz nur zu, wenn man enorme Investitionen in die Kommunikationstechnik beziewungsweise Umbauen an den Gebäuden steckt. Das ist angesichts der gegenwärtigen Haushaltslage überhaupt nicht drin.

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