Gesundheit : Die Habilitation lebt

Viele Juniorprofessoren benutzen ihre Stelle dazu, ein zweites Buch zu schreiben

Uwe Schlicht

Kein Wunder, dass es so viele begabte Nachwuchswissenschaftler in die USA zieht. Schließlich werden sie dort früher in die Selbstständigkeit entlassen als in Deutschland. Um diese Entwicklung zu stoppen, hat die Bundesregierung mit Unterstützung des Wissenschaftsrats die Juniorprofessur eingeführt. Das hat die radikale Folge, dass die Habilitation, die bisher den Weg in eine Professur vorbereitet hat, durch das Hochschulrahmengesetz entwertet wird: Im Regelfall soll der Weg zum Professor über eine Juniorprofessur gehen. Ob die Juniorprofessoren Hochschullehrer sind oder sich erst auf dem Weg der Qualifikation zum Professor befinden, ist in den Ländergesetzen unterschiedlich geregelt.

Der Wissenschaftsrat steht nach wie vor hinter seiner Forderung, die Habilitation abzuschaffen. Dazu bekannte sich Karl Max Einhäupl vor dem Bundestagsausschuss für Wissenschaft, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Peter Gaehtgens, ist nicht für einen so rigorosen Schritt – vor allem nicht, wenn ihn der Gesetzgeber von oben im Hochschulrahmengesetz verordnet, statt diese Entscheidung den Hochschulen selbst zu überlassen. Schließlich habe die Habilitation je nach Fach eine völlig andere Bedeutung hat. Ein zweites Buch  – so wird die Habilitationsschrift genannt – sei in den Natur- und Technikwissenschaften nicht notwendig. In den Geisteswissenschaften könne dagegen ein angehender Philosoph seine Habilitationsschrift kaum unter 1200 Seiten abgeben.

Auch der Hochschulverband, die Interessenvertreter der Professoren, ist gegen die Abschaffung der Habilitation. Verbandspräsident Hartmut Schiedermair hat beobachtet, dass der Trend zur Habilitation an den deutschen Universitäten trotz Einführung der Juniorprofessur ungebrochen sei.

Auch der Juniorprofessor Philipp Ther von der Europa-Universität in Frankfurt/Oder räumte vor dem Bundestagsausschuss ein, dass wegen der unsicheren Arbeitsmarktlage viele Nachwuchswissenschaftler in den Geistes- und Sozialwissenschaften auf Nummer sicher gehen und ihre Juniorprofessur benutzen, um sich dennoch zu habilitieren. Dies könne jedoch nur gelingen, wenn die Juniorprofessoren nicht zu stark in Lehrverpflichtungen eingebunden seien.

Vier Semesterwochenstunden als Lehrverpflichtung hält Ther für angemessen, sechs Stunden in der zweiten Dreijahresperiode der Juniorprofessur dagegen für zu hoch.

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