Gesundheit : Die Hobby-Genetiker von Dahlem

Bio, Nano, Info: Streiflichter von der fünften Langen Nacht der Wissenschaft

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„Weisheit ist nicht das Ergebnis der Schulbildung, sondern des lebenslangen Versuchs, sie zu erwerben.“ Dieser Spruch von Albert Einstein prangte wie ein Leitmotiv über dem Haupteingang der Technischen Universität Berlin. Gemeinsam mit den anderen Instituten und Hochschulen der Stadt lud die TU am Sonnabend dazu ein, bis ein Uhr morgens die fünfte „Lange Nacht der Wissenschaften“ zu erleben.

Den Versuch, „Weisheit zu erwerben“, hatte die TU besonders schmackhaft gemacht – mit einem hervorragend gestalteten Programmheft und Vielseitigkeit. Das TUHauptgebäude an der Straße des 17. Juni hatte man zum „Haus der Ideen“ umbenannt. Im Hörsaal bekamen die Besucher 3D-Brillen und konnten sich dreidimensionale Bilder vom Mars anschauen. Mitarbeiter des Instituts für Geodäsie und Geoinformatik hatten eine Laserkamera aufgebaut, mit der sich jedermann „einscannen“ lassen konnte – Kopf an Kopf mit einer Nofretete-Büste.

Mit ganz herkömmlichen Fotos beschäftigten sich dagegen die Besucher im „Haus der Physik“. Im Optischen Institut konnte hier jeder mit Aufnahmen einer fünf mal sieben Meter großen Testwand seine Kamera überprüfen. Wie gut ein Objektiv ist, wie scharf die Auflösung, wie groß die Verzerrungen – für Foto-Objektive war das nicht nur an diesem Abend die Wand der Wahrheit. „Die besten Objektive kommen im Moment aus Fernost – leider“, verriet ein testerfahrener Mitarbeiter.

Auf dem Gelände der Charité in Mitte konnte man sich auf Herz und Nieren prüfen lassen. Zumindest aufs Herz. Der Kardiologe legte seine kalte Ultraschallsonde an des Reporters Brust. „Schlägt aber ganz schön schnell.“ Bevor man sich Sorgen machen konnte, erklärte er: „Hier sehen Sie die linke Herzkammer, dort eine Klappe, da den linken Vorhof.“ In einem kleinen Zelt konnte man sich das Herzklopfen aufnehmen lassen und seiner Liebsten schenken.

Im Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie erfuhr man, dass der Magenkeim Helicobacter pylori das einzige Bakterium ist, bei dem man bisher sicher nachgewiesen hat, dass es Krebs verursachen kann. Dort gab es auch die „Activity Show“, ein Highlight. Raus aus der Theorie, rein in den Kittel! In einem harten Wettbewerb konnten jeweils vier Teilnehmer aus dem Publikum ihre Wissenschaftstauglichkeit unter Beweis stellen, mit Pipetten hantieren, Lösungen auf einen Nährboden ausstreichen. Außerdem gab es ein kleines Wissensquiz: Welchen pH-Wert hat eine Cola? „Drei“, sagte eine Oma, im Kittel, mit Schutzbrille. Das Kind daneben: „Fünf!“ Anschließend tauchten beide einen Teststreifen in den Becher mit Cola, der vor ihnen stand. Ergebnis: 2,5. Punkt für Oma.

Die Dahlemer Biochemiker der Freien Universität zeigten, dass man auch mit einer durchschnittlich eingerichteten Küche das Zeug zum Hobby-Genetiker hat: Sie ließen die Besucher die Erbsubstanz einer Tomate mit ganz einfachen Zutaten isolieren. Wie das geht? Man muss nur Kochsalz mit Spülmittel und Wasser mischen, eine klein geschnittene Tomate dazugeben, die Mischung 15 Minuten ziehen lassen und das Ganze dann kurz pürieren. Diese Suppe durch einen Kaffeefilter geben und das Extrakt mit Brennspiritus auffüllen. Das Ergebnis: Ein weißer Ring zwischen Filtrat und Brennspiritus – voilà, die Tomaten-DNS.

Dass Wissenschaft sogar spielend leicht großes Kino toppt, erfuhren Besucher im Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik. Digitale Effekte kennen Kinogänger aus Filmen wie „Troja“ oder „The Day after tomorrow“. Für die Wissenschaft können solche 3D-Effekte große Fortschritte bedeuten. Zahnmediziner könnten simulieren, wie das Gesicht von Patienten aussehen wird, nachdem sie operiert wurden. Den Mathematikern ist so ein Programm gelungen. Eindrucksvoll schoben sich dreidimensional animierte Unter- und Oberkiefer dem Zuschauer aus der Leinwand entgegen. Entsetzt quietschten viele auf, als sich ein Gesicht im Raum drehte, bei dem die Proportionen von Kinn und Nase nach einer Kiefer-Operation besonders misslungen waren. In Wirklichkeit werden solche Fehlgriffe zukünftig dank dieses Programmes wohl seltener vorkommen.

Neben viel Lob für die engagierten Wissenschaftler gab es auch ein wenig Kritik an den Organisatoren. Vor allem in Dahlem, wo die vielen Institute der Freien Universität über den ganzen Stadtteil verstreut sind, irrten Besucher auf der Suche nach ihrer nächsten Station durch die Straßen. Und der Haupteingang der „Silberlaube“, des labyrinthischen Zentralgebäudes der FU, war sogar abgesperrt.

Am Ende konnten die Veranstalter der Langen Nacht ein erfolgreiches Resümee ziehen. Mit exakt gemessenen 107704 „Besuchen“ (nicht zu verwechseln mit Besuchern!) verzeichneten sie einen Zuwachs von 20000 im Vergleich zum Vorjahr. Am meisten interessierten Adlershof (33524) und Charlottenburg mit 32227 Besuchen, gefolgt von Dahlem (20859), Mitte (13107), Potsdam/Wannssee (5589) und Buch (1557). bas/tiw/wez

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