Gesundheit : Die Hochschule der Künste - Wo junge Dirigenten von den Philharmonikern träumen

Sonja Kastner

An den CD-Playern sitzen zwei Musikstudentinnen und hören bereits die dritte Version von Robert Schumanns "Kinderszenen". Leise diskutieren sie über die verschiedenen Interpretationen des Stückes. "Wenn ich Stücke selber spielen muss, kann ich hier fast alles anhören", sagt Isabel Gabbe. "Oft hole ich aber nur Noten."

In der Bibliothek für Musik und Darstellende Kunst in der Fasanenstraße ist es mittags eher ruhig. Zu Störungen kann es dennoch kommen. "Von oben hörst Du die Klaviere, außerdem ist es ziemlich eng hier", sagt Andreas Krumwiede, der an der Hochschule der Künste (HdK) im Hauptfach Kontrabass studiert. Er schmunzelt: "Neulich saß neben mir ein Dirigent, der war total entrückt. Vor seinem inneren Auge dirigierte er wohl gerade die Philharmoniker."

In der Bibliothek für Bildende Kunst in der Hardenbergstraße dominiert hingegen der laute Straßenverkehr. Der große, offen gestaltete Raum ist Lesesaal und Ausleihe in einem. Die alten Holzregale reichen bis unter die Decke, über eine schmale Wendeltreppe gelangen nur zierliche Personen ohne Mühe auf die Galerie. Die Kunststudentinnen Mariechen Danz und Silvia Agostini sitzen mit drei dicken Wälzern an einem der großen Tische, die Platz für 25 Studenten bieten. Vom Straßenlärm lassen sie sich ebenso wenig stören wie vom klingelnden Telefon in der Ausleihe. "Wir haben hier alle Informationen, können alles besprechen und auch Videos ansehen", sagt Mariechen Danz. Empfindlichen Gemütern fehlt angesichts des ständigen Kommens und Gehens eine ruhige Leseecke.

Die HdK-Bibliothek für Neue Medien in der Grunewaldstraße hat eine gemütliche Lesegalerie. Große Fenster weisen in den hellen Innenhof des alten Gebäudes. Ein gutes Dutzend Studenten finden hier einen Arbeitsplatz. Auf den Tischen türmen sich wuchtige Filmlexika und Fotobände. Simone Wetzel, die im Studiengang Gellschafts- und Wirtschaftskommunikation kurz vor dem Diplom steht, nutzt die Bibliothek nur, um die Literatur grob zu sichten. "Wenn ich 280 Seiten vollständig lesen will, leihe ich mir das Buch lieber aus", meint sie. Heiß begehrt sind die vier Video-Sichtplätze und der Multimedia-Computer. Bis 2003 soll die neue Gemeinschaftsbibliothek für die Technische Universität und die HdK gleich hinter dem Bahnhof Zoo fertig sein, die Volkswagen mit zehn Millionen Mark unterstützt. "Alle Leseplätze werden mit Computer, Internet und Drucker ausgestattet", verspricht Carola Heffter aus dem TU-Planungsstab. 645 dieser "Studienarbeitsplätze" sollen dann zur Verfügung stehen. Bis dahin wird man aus der HdK-Musikbibliothek mit einem Schild hinter der Ausleihe freundlich entlassen: "We love our customers." Da kommt man gerne wieder.Bereits gelaufen: Probesitzen in der Bibliothek der Technischen Universität (4. Januar), in der Freien Universität (15. Januar) und in der Humboldt-Universität (12. Februar)

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