Gesundheit : Die Hochschule lädt ein zur "Europäischen Studierendenkonferenz"

Kirsten Matthes

Europäische Eingreiftruppe, Osterweiterung der EU, Agrarpolitik, Forschungsprogramme - mit ihren Entscheidungen beeinflussen europäische Politiker die Zukunft von 370 Millionen Menschen. "Ausbaden" müssen das vor allem Menschen, die heute unter 30 Jahren alt sind. Nur sind sie an der Politik kaum beteiligt. "Das sollten sie aber sein", sagt Peter Gaehtgens, Präsident der Freien Universität Berlin. Er hatte die Idee, dass europäische Studenten über ihr Europa des 21. Jahrhunderts diskutieren. So veranstaltet die FU vom 21. bis 24. November 2000 die "Europäische Studierendenkonferenz". Eine besondere Veranstaltungsreihe an der Freien Universität im Sommersemester soll Interessenten darauf vorbereiten.

Die Reaktion der angeschriebenen Universitäten war, so Gaehtgens, "enthusiastisch". Die FU erwartet im November mehr als 200 Studierende von über 20 Universitäten aus europäischen Hauptstädten, inklusive Moskau, Istanbul und Tel Aviv. "Es geht nicht um Realpolitik, wir wollen ja keine Milchquoten für das 21. Jahrhundert festlegen", sagt Gaehtgens. "Die Studenten sollen Visionen entwickeln können über die Zukunft, die sie betrifft. Vielleicht lassen sich Politiker von diesen Ideen inspirieren." Den Ablauf der Konferenz planen Andrea Syring, Referentin des Präsidenten, und Virgina Moukouli, die eigens für das Projekt engagiert wurde.

Nach einer gemeinsamen Auftaktveranstaltung sollen sich die studentischen Delegierten in zehn Arbeitsgruppen aufteilen, um Themen wie zum Beispiel Innere Sicherheit, Binnen- und Außenwirtschaft, Umwelt oder die Frage einer europäischen Identität zu bearbeiten. "In einem Europa, das zusammenwachsen soll, muß man sich mit teilweise völlig anderen Denkweisen der europäischen Gesellschaften beschäftigen, sonst kommt es unnötig zu Missverständnissen", sagt Syring. Nach drei Tagen Diskussion stellen die Gruppen ihre Ergebnisse im Plenum vor und fassen sie in einem Memorandum zusammen. Kurz formuliert und gut lesbar, soll das Memo der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Ob die Präsidentin des Europäischen Parlaments, die Französin Nicole Fontaine (EVP), nach Berlin kommt, um die Ideen der Studenten anschließend in das Europäische Parlament mitzunehmen, ist noch nicht sicher.

Das Interesse an der FU-Delegation ist jedenfalls groß. Syring freut sich über die unterschiedlichen Fachrichtungen der Bewerber: "Wir suchen 40 bis 50 Politologen, Geologen, Mediziner, Philologen und so weiter. Je nach Fachbereich gehen die Studenten anders an Probleme ran. Das ist ein enormes Potential für kreative Diskussionen und weitsichtigere Lösungen als in säuberlich getrennten Arbeitsgruppen."

Im Sommersemester beginnt ein intensives Vorbereitungsprogramm mit einer Ringvorlesung und Seminaren. Anschließend wählen die Teilnehmer "ihre" zehn Delegierten - ausschließlich FU-Studenten - für die Konferenz aus. Die anderen Teilnehmer werden dringend gebraucht, um den internationalen Delegierten zu helfen und den Arbeitsgruppen zuzuarbeiten. FU-Studenten können sich bis Anfang April bewerben. Vorausgesetzt werden gute Englischkenntnisse.Bewerbungsunterlagen gibt es unter www.fu-berlin.de/aktuell/europa.html oder unter Telefon 838 73 102 und 838 73 429.

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