Gesundheit : Die Humboldt-Universität hilft Geisteswissenschaftlern bei der Berufsplanung

Marcel Steinbach-Reimann

Aus Medizinstudenten werden Ärzte, aus Jurastudenten Richter oder Anwälte. Schwieriger wird es bei Studierenden der verschiedenen Geisteswissenschaften. Wo kommen all die jungen Historiker, Philosophen und Ethnologen unter? Auch viele Lehramtskandidaten machen nach dem Examen lieber einen Bogen um die Schule. Kinder zu unterrichten, ist nicht jedermanns Sache.

Die Philosophische Fakultät der Humboldt-Universität hat ein eigenes Programm aufgelegt, das jungen Geisteswissenschaftlern den Einstieg ins Berufsleben erleichtern soll. Häufig haben die Absolventen keine genaue Vorstellung, wie es nach dem Studium weiter gehen wird. Zudem sind sie sich oft nicht ihrer Fähigkeiten bewusst, die sie durch Auslandsaufenthalte, politisches oder soziales Engagement innerhalb oder außerhalb der Universität oder auch durch studentische Nebenjobs erworben haben.

Das Projekt "Studium und Praxis" basiert auf drei Säulen. Jedes Semester läuft eine Vorlesungsreihe über Berufsfelder für Historiker, Philosophen, Ethnologen und Bibliothekswissenschaftler. Diese Reihe steht nicht nur Studenten der Geisteswissenschaften offen - auch alle anderen Interessenten sind eingeladen, daran teilzunehmen. Klassische Betätigungsfelder für Geisteswissenschaftler sind Museen, Archive oder die Tourismusbranche. Ihnen stehen aber auch neue Arbeitsgebiete wie Informationsmanagement, Event-Marketing, Wirtschaft oder Unternehmensberatung gegenüber. Besonderen Anklang finden erfahrungsgemäß die Bereiche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie der Journalismus.

Bei den Präsentationen der verschiedenen Berufsbilder können Studierende den Referenten, die alle aus der Praxis kommen, gezielt Fragen zum jeweiligen Berufsalltag stellen. Daran lassen sich die eigenen Qualifikationen überprüfen und Kontakte für Praktika oder den Berufseinstieg knüpfen. Manchmal kommt auch die Erkenntnis, dass ein bestimmter Beruf den eigenen Vorstellungen gar nicht entspricht. Diese Desillusionierung ist nicht angenehm, aber dennoch gewollt, trägt sie doch dazu bei, den Berufswunsch noch einmal zu überdenken. Ein Indiz für die hohe Akzeptanz der Vorlesungsreihe unter den Studierenden sind die angeregten Diskussionen mit den Referenten.

Die zweite Säule bilden Kompaktseminare zum Erwerb von Schlüsselqualifikationen, etwa durch Seminare zur Jobsuche im Internet oder zur Rhetorik. Zum Semesterstart bot Tagesspiegel-Redakteurin Tanja Stelzer einen Redigierkurs an.

Die dritte Säule stellen die praxisorientierten Übungen am Institut für Geschichtswissenschaften dar. Im Sommersemester 2000 wird es unter anderem Übungen zur EDV für Historiker, zum Umgang mit historischem Material im Radio und zum Internet als Medium musealer Praxis geben. Weiterhin bietet das Projekt regelmäßig einen so genannten "Karrieredienst" an, in dem sich Studierende über Praktika im In- und Ausland sowie über Fragen des Berufseinstiegs informieren können. Wie eine Umfrage unter 450 Studierenden zeigte, gibt es schon während des Studiums ein großes Bedürfnis nach solchen berufsvorbereitenden Angeboten.

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