Gesundheit : Die kleine Uni Konstanz kommt im Ranking groß raus

Nachteile der Massenuniversitäten werden vermieden

Tilmann Warnecke

Steht für die deutschen Hochschulen eine Zeugnisvergabe in der Form von Rankings an, schauen die meisten für gewöhnlich neidvoll in den Süden der Republik: Genauso wie der Klassenstreber zuverlässig seine Einsen in der Mathe-Arbeit einheimst, platziert sich die Universität Konstanz auf den vorderen Plätzen. Der Anteil der von der Alexander-von-Humboldt-Stiftung mit einem Stipendium bedachten Gastwissenschaftler an der Professorenschar ist in Konstanz am dritthöchsten. Das diesjährige Förderranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft gibt den Konstanzer Hochschullehrern den fünften Rang, wenn es um die pro Kopf eingeworbenen Drittmittel geht. Und sogar der Hochschulsport reüssiert. Die Universität erhielt eine Goldmedaille, der neuesten Stern-Tabelle zufolge.

Woran das liegt, versuchte jüngst der Rektor der Hochschule in Berlin zu erklären. „Kleingruppenarbeit ist Standard“, sagt Gerhart von Graevenitz, „wir wollen Nachteile der deutschen Massenuniversität vermeiden.“ 9000 Studenten aus 80 Ländern bevölkern den Campus der Hochschule, der tatsächlich ein Campus ist: Alle Gebäude liegen nur wenige hundert Meter auseinander.

Ein Blick in die Gebäude reicht aus, um zu verstehen, warum die Uni nicht nur wegen des Hochschulsports attraktiv ist: Vorlesungssäle gibt es in der 1966 gegründeten Hochschule kaum, gute Betreuung wollen die Konstanzer schon dadurch garantieren, dass allein kleine Seminarräume zur Verfügung stehen. Ihre Studiengänge will die Uni in den nächsten drei bis fünf Jahren komplett auf Bachelor- und Masterabschlüsse umstellen. Die Geistes- und Sozialwissenschaften schafften bereits mit Beginn dieses Wintersemesters den letzten Magisterstudiengang ab.

Wenn Geisteswissenschaftler behaupten, dass sie wegen der vermeintlich geringen Verwertbarkeit ihrer Fächer bei der Akquise von Drittmitteln benachteiligt sind, belehren ihre Konstanzer Kollegen sie eines besseren. Historiker und Philosophen werben dort ebenso viele Fördergelder ein wie die Natur- und Wirtschaftswissenschaftler. Im Vergleich zum Bundesschnitt der Geisteswissenschaften ist der Betrag viermal so hoch.

Rektor von Graevenitz begründet das mit der Haushaltspolitik der Universität. Das Präsidium teilt jedem Lehrstuhl nur ein vergleichsweise kleines Budget zu. Um den großen Rest für ihre Projekte konkurrieren die Professoren untereinander bei einem uniinternen Ausschuss für Forschungsfragen. „Das ist ein hervorragendes Training für das Einwerben von Fördergeldern draußen“, freut sich von Graevenitz.

Ob die Konstanzer ein leuchtendes Beispiel auch für die Berliner Hochschulen sein können, bezweifelt von Graevenitz allerdings: „An Massen-Unis kann man vieles schon rein organisatorisch nicht machen. Unsere Kleinheit ist ein großer Vorteil.“

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