Gesundheit : Die Kostenfalle

Ein Studienplatz in Berlin ist fast ein Drittel teurer als in Norddeutschland

Bärbel Schubert

Berlin hat die teuersten Studienplätze – verglichen mit den Universitäten in Norddeutschland. Mit rund 7600 Euro kostet ein Platz in der Hauptstadt durchschnittlich fast ein Drittel mehr als beim günstigsten Anbieter Schleswig-Holstein. Dies ergab ein bisher nicht veröffentlichter Leistungsvergleich des anerkannten Hochschul-Informationssystems in Hannover, in den außerdem Hamburg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern einbezogen wurden. Auch im Vergleich zum Durchschnitt dieser Länder ist ein Studienplatz in Berlin elf Prozent teurer.

Anders als erwartet, sieht es dagegen für Berlins Hochschulen bei den Kosten pro Absolvent relativ gut aus. Dafür werden rund 30 000 Euro für jeden Student veranschlagt, der sein Studium mit dem Diplom oder dem ersten Staatsexamen abschließt. Das ist zwar weit weniger als beim Kosten-Spitzenreiter Mecklenburg-Vorpommern, wo jeder Studienabschluss mit über 46 000 Euro zu Buche schlägt. Doch liegt Berlin trotzdem über dem Durchschnitt dieser Länder von rund 28 000 Euro. Die Autoren der Studie sehen darin einen Hinweis auf mögliche Schwächen in der Struktur des Berliner Studienangebots oder bei der Organisation von Prüfungen und Ähnlichem. Auch bei den eingeworbenen Forschungsmitteln schneiden Berlins Hochschulen gut ab und bringen damit zusätzliches Geld in die Hauptstadt.

Im Zeichen neuer Hochschulverträge

Die hohen Kosten sind schlechte Nachrichten für Berlins Hochschulen, die noch diesen Monat ihre Verhandlungen mit Wissenschaftssenator Thomas Flierl (PDS) über die neuen Hochschulverträge und damit über ihre Finanzierung ab 2006 beginnen. Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) hatte den Hochschulen des Landes schon vor einiger Zeit um 20 bis 25 Prozent zu hohe Kosten vorgehalten. Es ist bekannt, dass Sarrazin unter dem Druck knapper öffentlicher Kassen im Wissenschaftsbereich eher an den Studienplätzen als bei der außeruniversitären Forschung sparen möchte. Diese bringen Berlin je nach Einrichtung eine Kofinanzierung vom Bund von zwischen 40 und über 90 Prozent ein. Belastbare Zahlen für Sarrazins Rechnung gab es aber bisher kaum. Bei der aktuellen Untersuchung wurden nun zu Gunsten der Vergleichbarkeit die teuren Studienplätze in Medizin ausgeklammert. So entfällt das Argument, Berlin komme hauptsächlich durch seinen großen Anteil an Medizin-Studienplätzen auf hohe Kosten.

Zu Buche schlägt bei den hohen Berliner Kosten allerdings auch diesmal die vergleichsweise große Technische Universität; denn Ausbildung und die Forschung in den Ingenieurwissenschaften sind ebenfalls vergleichsweise teuer. Die einzige andere Technische Universität in der Studie ist die TU Hamburg-Harburg. Auch Berlin verzeichnet entsprechend unterschiedliche Kosten an seinen Universitäten. So kostet ein Studienplatz an der Freien Universität durchschnittlich gut 6500, an der Humboldt-Universität 6800 Euro, an der TU aber 9400 Euro.

Ein wichtiger Faktor für die höheren Kosten an Berlins Universitäten insgesamt scheint der Untersuchung zufolge in der Verwaltung zu liegen. So ist in der Hauptstadt die Ausstattung mit nicht wissenschaftlichem Personal viel besser als an den Vergleichshochschulen. Während in Berlin jedem Professor 2,25 nicht wissenschaftliche Stellen zugeordnet werden, sind dies im Länderdurchschnitt 1,82 Stellen. Dazu zählen Verwaltungsangestellte wie Sekretärinnen, aber auch technisches und Bibliothekspersonal. Bremen hat hierbei mit 1,19 Nichtwissenschaftlern pro Professor – oft beklagt – die schlechteste Ausstattung.

Mit so genannten Mittelbau-Stellen, also wissenschaftlichem Personal unterhalb der Professur, sind Berlins Universitäten ebenfalls relativ gut bedacht: 2,29 Mittelbau- Stellen pro Professor hat Berlin. Der Durchschnitt der beteiligten Länder liegt bei 1,81. „Dies wirkt preistreibend, da bei vergleichsweise hohen Kosten bei zugleich geringerer Lehrverpflichtung auch weniger Lehrangebot bzw. Kapazität ,produziert’ wird“, schreiben die Autoren der Studie. Die überdurchschnittlichen Kosten für wissenschaftliches und nicht wissenschaftliches Personal spiegeln sich in den Kosten der Professuren, denen diese Ausstattung zugerechnet wird: Mit 434 000 Euro pro Jahr sind das in Berlin fast 40 Prozent mehr als beim günstigsten Anbieter Hamburg und noch rund 360 000 Euro oder 17 Prozent über dem Länder- Durchschnitt. Damit ist dies der auffälligste Ausreißer in der Untersuchung.

Allerdings fehlen gerade bei der Personalausstattung Vergleichszahlen aus Süddeutschland, wo die meisten wichtigen Konkurrenten um die begehrten Forschungsmittel sitzen. Von den dortigen Universitäten heißt es in der Wissenschaftsszene, sie hätten erheblich mehr wissenschaftliches Personal für Forschung und Lehre als die norddeutschen. Doch dort verweist man darauf, dass solche Zahlen nicht in vergleichbarer Weise erhoben würden.

Mehr Personal in Berlin

Die Personalverteilung zwischen Wissenschaft und Verwaltung erklärt teilweise auch, warum trotz vergleichsweise hoher Personalausgaben die Studenten in Berlins Hörsälen und Seminarräumen drangvolle Überfüllung erleben. Denn die Auslastung des Studienangebots in der Hauptstadt ist gleichzeitig besser als bei allen anderen Teilnehmerländern. Außerdem werden in der Studie nur Studenten in der Regelstudienzeit berücksichtigt. Das heißt, Langzeitstudenten treiben die rechnerischen Werte sozusagen unsichtbar nach oben.

Mit der HIS-Studie haben die Universitäten auch Material an der Hand, das ihnen Schwächen und Stärken in den einzelnen Fächern zeigt. Sie wissen nun genau, welche Fachbereiche an ihrer Universität in Lehre und Forschung effizient arbeiten und welche weniger. So sind bewusste Akzentsetzungen möglich; denn natürlich kann es Gründe geben, warum ein Bereich besser ausgestattet sein muss. Darüber kann die Auseinandersetzung an den Hochschulen nun beginnen.

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