Gesundheit : Die langsame Rückkehr der Riesenrobben

Dieter Wanke

Gegen 1890 war es schließlich so weit: Die Jagd nach Lampenöl und anderen Produkten, die aus dem Fett der Nördlichen See-Elefanten (Mirounga angustirostris) gekocht wurden, brachte die Tiere an den Rand der Ausrottung.

Fast 100 Liter Öl gewann man aus der Fettschicht eines einzigen ausgewachsenen Bullen. Anfang des 18. Jahrhunderts begann die groß angelegte Jagd auf die Tiere. Den letzten gesichteten Robben stellten dann noch die Beauftragten von Museen und Sammlungen nach, um die Säuger zumindest in ausgestopftem Zustand der Nachwelt zu erhalten. So wurden auch die wenigen noch lebenden Exemplare der Rasse verfolgt, bis die Art schließlich als ausgestorben galt.

Nur ein paar Tiere entkamen ihren Jägern: 20 bis 100 Nördliche See-Elefanten überlebten das Abschlachten. Man fand sie nach der Jahrhundertwende gegen 1910 auf der kleinen Pazifikinsel Guadeloupe, vor der Küste Mexikos.

Zwar waren auch diese Tiere vor den letzten Verfolgern nicht sicher, aber erstaunlicherweise erholte sich der Bestand langsam. Im Jahr 1922 zeigte die mexikanische Regierung endlich Einsicht und stellte die wenigen verbliebenen Tiere unter Schutz, indem sie die Insel zum Naturreservat machte. Ein Glücksfall für die Robben, denn damit nahm die bisher erfolgreichste Rettung einer äußerst gefährdeten Tierart ihren Anfang.

Nur langsam ging es zunächst aufwärts, aber nach einiger Zeit wurden die Tiere vereinzelt auch wieder in anderen Gebieten ihres ehemaligen Lebensraums, auf den Inseln vor der kalifornischen und mexikanischen Pazifikküste und sogar in einigen Küstenstreifen des Festlandes gesichtet. Auch in den USA reagierte man nun und stellte die Meeressäuger hier ebenfalls unter Schutz.

Die mögliche Rettung vor Augen, begann man in Mexiko in den 30er Jahren mit Aufzuchtprojekten. Immerhin fünfzig Jahre dauerte es, bis sich die Population im Jahr 1960 auf stattliche 15 000 Tiere erholt hatte. Davon lebten seiner Zeit aber über 90 Prozent auf der Insel Guadeloupe.

Mangel an genetischer Vielfalt

Dank des strengen Schutzes und der menschlichen Unterstützung ist der Bestand heute wieder auf etwa 130 000 Nördliche See-Elefanten angewachsen, die mittlerweile auch in größeren Gruppen in ihrem alten Lebensraum anzutreffen sind.

Einen Haken hat die Erfolgsgeschichte jedoch. Die Nachkommen des seinerzeit nur in sehr geringer Anzahl vorhandenen Restbestandes sind alle miteinander verwandt. Die Folge: Der Mangel an genetischer Vielfalt bringt eine erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten mit sich, vor denen die Tiere geschützt werden müssen.

Nördliche See-Elefanten, die ihren Namen wegen der rüsselartigen, dicken Nase tragen, halten sich fast ausschließlich im Wasser auf und kommen nur zwei mal jährlich an Land. Von Dezember bis März tummeln sich die Tiere an der Küste, um sich zu paaren und die Jungen aufzuziehen. Ein zweites Mal kommen die Weibchen dann im Mai und die Männchen in den Sommermonaten zum Fellwechsel.

Die Fetten sind erfolgreich

Je fetter sich die Männchen während ihrer Wasserwanderung fressen (manche wiegen bis zu zwei Tonnen), desto höher ist ihre Chance, sich bei den Zweikämpfen um den Besitz eines Harems zu behaupten.

Dabei kommen weniger als zehn Prozent der Männchen, die höchstens 14 Jahre alt werden, erfolgreich zur Paarung. Die Weibchen, die es immerhin auf bis zu 20 Lebensjahre bringen, gebären pro Jahr ein Junges, das sie mit ihrer sehr fetthaltigen Milch vier Wochen lang säugen.

An Land wirken die Tiere recht schwerfällig, im Wasser jedoch sind sie in ihrem Element und überraschen mit erstaunlichen Leistungen, denn sie tauchen tiefer und länger als alle anderen Meeressäuger. Gemessen wurde bisher eine höchste Tauchtiefe von etwa 1600 Metern und eine maximale Tauchzeit von fast zwei Stunden.

Selbst ein durchschnittlicher Tauchgang dauert fast eine halbe Stunde und führt die See-Elefanten bis auf eine Tiefe von 500 Metern. Zurück an der Oberfläche, verschnaufen die Tiere nur zwei bis vier Minuten, um dann erneut abzutauchen und ihren Leibspeisen, den Tintenfischen und Kraken, aber auch Fischen nachzujagen. Sogar kleinere Haie verspeisen die fetten Säuger auf ihren Tauchgängen.

Bei ihren Wasserwanderungen legen die bis zu vier Meter langen Bullen Strecken von über 5000 Kilometer zurück. Bis in den Golf von Alaska schwimmen sie. Die Weibchen leben im Wasser getrennt von den Männchen. Sie halten sich in größerer Entfernung vom Festland, östlich von der Pazifikküste Nordamerikas auf.

Vom angefressenen Speck zehren die Säuger dann bei ihren Landaufenthalten, denn hier fasten sie. Außerdem belasten die Revierkämpfe und die Geburt der Jungen so, dass sich ihr Gewicht um ein Drittel reduziert, bevor sie erneut zur Jagd aufbrechen.

Ihre größten Feinde sind - nach dem Menschen - große Haie und Killerwale. Doch von den Haien werden die See-Elefanten in ihren neuen Wohngebieten heute nicht mehr direkt bedroht. Und die Killerwale stehen selbst mehr und mehr auf der Liste der schutzbedürftigen Arten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben