Gesundheit : Die Leiden des jungen Bachelor

Heute beginnt der Warnstreik der FU-Studenten. Welche Ziele haben sie?

Tilmann Warnecke

Diskutieren statt protestieren – so soll heute der einwöchige „Warnstreik“ der Studenten der Berliner Freien Universität starten. Um 12 Uhr treffen sich die Studierenden zu einer Versammlung, auf der sie ihre Forderungen aufstellen wollen. Danach sollen sich Arbeitsgruppen bilden, die sich Aktionen ausdenken, sagt Stefan Günther vom FU-Asta. Gruppen könnten Seminare unterbrechen, um mit den anderen Studenten über die Studienbedingungen zu diskutieren.

Die Hauptforderung des Asta lautet: Die Unileitung soll das neue Campus-Management abstellen, da es nur unzureichend funktioniere. Das Campus-Management ist die neue Software, mit der die FU die Daten und Prüfungsleistungen der 3970 Bachelor-Studierenden seit diesem Semester per Computer verwaltet. Spricht man jedoch mit den Bachelorstudenten, scheint die Software für sie nicht das wirkliche Ärgernis zu sein. Vielmehr bewegen sie Organisations- und oft auch Orientierungsprobleme, die von Student zu Student, von Fach zu Fach unterschiedlich sind und auch als unterschiedlich schwer wiegend empfunden werden (siehe unten). Die Studenten nennen Probleme wie: zu viele Prüfungen in zu kurzer Zeit; Überschneidungen bei Pflichtkursen; keine Zeit, um nebenbei Geld zu verdienen oder mangelnde Beratung.

Die Univerwaltung wehrt sich denn auch gegen die Kritik an der Software. Tatsächlich könne die Software für die meisten Mängel nichts, die ihr angelastet werden, sagt Matthias Dannenberg, Verwaltungsleiter des Fachbereichs Philosophie und Geisteswissenschaften. „Probleme mit der Studienordnung werden von den Studenten auf das Campus-Management projiziert“, sagt Dannenberg. Die FU legt auch Zahlen vor, um zu beweisen, dass die Software funktioniert. Die Software habe bei 25 000 Anmeldungen nur 43 Studenten keinen Platz in einem Kurs zugewiesen – und das habe nicht an datentechnischen Problemen gelegen, sondern daran, dass die Studenten keine Alternative zu einem vollen Kurs angegeben hätten. Die Software würde sogar helfen, die Organisation des Studiums zu verbessern, sagt Dannenberg. Durch die zentrale Erfassung der Kurszeiten könnten die FU-Mitarbeiter viel besser Überschneidungen von Kursen erkennen und vermeiden.

Unterdessen bemüht sich FU-Präsident Dieter Lenzen, die Wogen zu glätten. In einem Brief an die Studenten kündigte er an, die Maluspunkte-Regelung vorerst auszusetzen. Zu viele Maluspunkte – in den Geisteswissenschaften zum Beispiel fünf – können an der FU zur Zwangsexmatrikulation führen. An der FU bekommen Studenten einen Strafpunkt, wenn sie zum zweiten Mal durch eine Prüfung fallen. Zwei Strafpunkte gab es für zu langes Studieren – wobei die Regeln bereits so großzügig waren, dass die Studenten unter bestimmten Umständen das Doppelte der vorgesehenen Regelstudienzeit studieren durften, ohne einen Maluspunkt zu kassieren. Lenzen kündigte auch an, die Abgabefristen für Hausarbeiten zu flexibilisieren und einen uniweiten Rahmenstundenplan zu entwickeln, der die Überschneidungen von Kursen vermeiden helfen soll.

Trotz dieser Zugeständnisse rechnet Stefan Günther vom Asta mit 2000 Studenten auf der Vollversammlung. Zu einer Demo in der „Silberlaube“ kamen am Donnerstag jedoch nur etwa 15 Studierende – die meisten waren Diplom- und Magisterstudenten aus höheren Semestern. Das sei aber „kein Indikator“ für eine fehlende Streikbereitschaft der Studierenden, sagt Günther – die Demo sei nur zu wenigen Studierenden bekannt gewesen.

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