Gesundheit : Die Lücke schließen

Mit der Hightech-Strategie will die Regierung 1,5 Millionen Arbeitsplätze schaffen

Paul Janositz

„Ideen zünden“, sagt Annette Schavan. Unter diesem Motto präsentierte die Forschungsministerin am gestrigen Mittwoch ihre Hightech-Strategie. Die Initiative der Regierung soll die Lücke zwischen Forschung und Anwendung schließen. In Deutschland würden zwar viele gute Ideen entwickelt, aber zu wenige in marktfähige Produkte und Dienstleistungen umgesetzt, sagt Schavan. Vertreter von Wirtschaft und Wissenschaft äußerten sich überwiegend positiv.

Die Initiative bezieht sich auf 17 „Innovationsfelder“. Dazu zählt Schavan Bereiche wie Logistik, Bio-, Kommunikations- oder Umwelttechnologien ebenso wie Raumfahrt oder optische Technologien, Sicherheit und Gesundheit. So kündigte sie ein übergreifendes Programm zur Sicherheitsforschung an, um biometrische Verfahren oder Überwachungstechnik weiterzuentwickeln. Neue Diagnose- und Behandlungsmethoden könnten Gesundheitskosten senken.

Schavan betont, dass nun erstmals eine nationale Strategie zur Innovationspolitik vorgelegt werde, die über alle Ressorts hinweg entwickelt worden sei. „Mit der Hightech-Strategie wird ein Paradigmenwechsel vollzogen“, sagt sie. Dies könnte „Leitmärkte mit weltweiter Ausstrahlung“ aufblühen lassen. Deutschland solle zur forschungsfreudigsten Nation der Welt werden.

„Zusätzliche sechs Milliarden Euro“, so betont Schavan, sollen in dieser Legislaturperiode in Forschung und Entwicklung investiert werden. Das stelle den größten Ausbau derartiger Investitionen des Bundes in der Geschichte des Landes dar. Insgesamt sollen von 2006 bis 2009 rund 14,7 Milliarden Euro in die Hightech-Strategie investiert werden.

Zusätzlich rechnet Schavan mit Beiträgen der Länder. Sie lobt Nordrhein-Westfalen, das gerade einen Innovationsfonds eingerichtet habe. Bis Jahresende erwartet sie solche Programme in allen 16 Bundesländern. Dann lasse sich das Ziel erreichen, bis 2010 die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf drei Prozent des Bruttosozialprodukts zu steigern.

Nun sind derartige Initiativen einer Bundesregierung nicht neu. Zuletzt hatte 2004 der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder einen Innovationsrat ins Leben gerufen, in dem „Partner“ aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik „Leuchtturmprojekte“ herausfinden sollten. Sie sollen weiterhin die Regierung beraten. Darüber hinaus wurden zwei weitere Gremien installiert. Der im Frühsommer berufene „Rat für Innovation und Wachstum“ unter Leitung des Siemens-Aufsichtsratsvorsitzenden Heinrich von Pierer soll speziell die Bundeskanzlerin beraten. Vor allem in der Frage, wie mittelständischen Unternehmen zu mehr Innovationen verholfen werden könne.

Speziell mit der Hightech-Initiative verbunden ist die von der Forschungsministerin vor etwa zwei Monaten ins Leben gerufene „Forschungsunion Wirtschaft-Wissenschaft“. Das Gremium mit hochrangigen Vertretern aus Industrie und Wissenschaft soll auch über Zuschüsse für kleinere Firmen entscheiden, wenn diese Forschungsaufträge an Hochschulen oder andere Wissenschaftler vergeben. Diese „Forschungsprämien“ nennt Schavan ein wichtiges Instrument für die von ihr angestrebte besondere Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen. Sie könnten sonst oft nicht die zusätzlichen Ausgaben zur Umsetzung von Innovationen schultern. Diese Fördergelder sollen bis 2009 um 40 Prozent auf 850 Millionen Euro steigen und Arbeitsplätze schaffen.

Dabei wagt Schavan eine ehrgeizige Prognose. „Die Hightech-Strategie kann 1,5 Millionen neue Arbeitsplätze bringen“, sagt sie. Ihre Rechnung: Durch die Initiative könnten 90 000 zusätzliche Fachkräfte benötigt werden. Diese teilen sich zu einem Drittel auf öffentliche Forschungsorganisationen und zu zwei Dritteln auf die Industrie auf. Jeder der 60 000 gewerblichen Arbeitsplätze zieht nach Schavans Meinung 30 weitere Stellen nach sich. Die sich daraus ergebenden 1,8 Millionen Arbeitsplätze rundet die Forschungsministerin allerdings vorsichtshalber ein wenig ab.

Positive Reaktionen von Vertretern der Wirtschaft lassen hoffen, dass Schavans Rechnung aufgehen könnte. So begrüßte Jürgen Thumann, Präsident des Bundesverbandes der Industrie, ebenso wie Edward Krubasik, Präsident des Zentralverbandes der Elektroindustrie, die Initiative. Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, sprach von „einem großen Schritt nach vorn“, der aber nicht durch die Steuerpolitik ausgehebelt werden dürfe.

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