Gesundheit : Die Lust am Lesen wecken – wie macht man das?

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Wie bringen Sie Ihren Schülern das Lesen bei?

Eines ist klar: Ganz wichtig ist der Spaß am Lesen – und den muss Schule wecken. Wenn bei uns in der dritten Klasse die Zootiere auf dem Stundenplan stehen, lesen wir nicht nur darüber, sondern machen gleichzeitig einen Ausflug in den Zoo. Außerdem hat unsere Schule Theater als Schwerpunkt. Da lernen die Kinder nicht nur freies Sprechen und Spielen, sondern auch das Lesen – schließlich müssen sie ihre Rolle auswendig lernen. Natürlich bringen alle Schüler unterschiedliche LeseErfahrungen von zu Hause mit – da besteht die Kunst des Lehrers darin, jedem Kind gerecht zu werden, zum Beispiel durch „Lernen an Stationen", bei dem im Flur oder im Klassenraum an mehreren Stationen verschiedene Aufgaben gelöst werden. So berücksichtigen wir das unterschiedliche Lerntempo, und die Kinder entwickeln eigene Lernstrategien, entdecken selbst. Damit ein Text wirklich verstanden und der Sinn erfasst wird, bekommen die Schüler auch oft unterschiedliche Aufgaben. Eine Gruppe macht dann ein Interview zum Text, eine andere hat den Auftrag, ein Plakat zu erstellen. Weitere Teams denken sich eine Überschrift aus oder schreiben eine Zusammenfassung – so kann jedes Kind individuell gefordert und gefördert werden.

Erhard Laube ist Leiter der Spreewald-Grundschule.

Was für neue Ideen für das Lesenlernen haben Sie von der Uni mitgebracht?

Zu wenige. Keiner sagt den zukünftigen Lehrern, wie wichtig es später sein wird, nicht nur formales, sondern Sinn erfassendes Lesen rüberzubringen. Und wie schwer das ist. Wir wissen einfach nichts über den wirklichen Schulalltag. Daher lernen wir zwar, wie man Schülern das Lesen methodisch korrekt beibringt, aber nicht, wie man sie motiviert, auch in der Freizeit ein Buch in die Hand zu nehmen. Am Anfang meines Referendariats bin ich mit meinen Uni-Konzepten manchmal auf die Nase gefallen. Weil ich zu viel Wissen bei den Schülern vorausgesetzt habe. Erst nach und nach habe ich gemerkt, dass ich ganz von Anfang an beginnen muss, weil vielen bereits einfachste Grundlagen fehlen. Heute erforsche ich mit meinen Schülern Bücher regelrecht. Wir gucken uns das Titelbild an und den Autor, überlegen uns, was wir von diesem Buch erwarten. Und dann haben sie immer Zeit, darin zu blättern, zu schmökern. Ohne Zwang. Das klappt immer. Aber auf diese Weise Leselust zu wecken, das lernt man erst in der Schule, nicht in der Uni.

Christoph Jachner hat gerade sein Referendariat an der Grundschule am Pegauseck in Treptow abgeschlossen.

Wie hast Du lesen gelernt?

Also ich habe erst in der Schule lesen gelernt, nur ein paar Worte konnte ich schon davor lesen. Erst haben wir die Buchstaben gelernt und dann kurze Texte gelesen. Das hat mir Spaß gemacht, plötzlich alles zu verstehen, auch wenn es mir am Anfang nicht so leicht gefallen ist. Im Moment lesen wir gerade Till Eulenspiegel und Münchhausens Lügengeschichten, Sachen von Rittern und so.Das finde ich echt spannend. Ich mag Bücher, wo was passiert, vor allem Krimis. Aber die darf ich noch nicht lesen. Na ja, Lesen ist eigentlich nicht so mein Hobby, ich habe bis jetzt erst vier Bücher selber gelesen.

Felix Tawanda Podoll geht in die vierte Klasse der John F. Kennedy-Schule.

Was für Erfahrungen haben Sie mit Ihren Kindern beim Lesenlernen gemacht?

Nur gute. Meine Tochter war am Anfang eine schlechte Leserin, weil sie Hörprobleme hatte. Sarahs Deutschlehrerin hat mir dann Tipps gegeben, was wir zu Hause lesen sollen, worauf ich achten soll. Seitdem haben wir zu Hause ständig gelesen und uns vorgelesen, in der Badewanne und beim Kochen. Die Lehrerinnen kennen die Schwächen ihrer Schüler und suchen den Kontakt zu den Eltern. Ich finde es toll, wie die sich engagieren. Außerdem gibt es in der Schule eine tolle Bibliothek, wo sich jedes Kind Bücher ausleihen kann. Zusätzlich haben die Lehrer Förderunterricht organisiert, der vor der Schule von 7 Uhr 40 bis 8 Uhr 15 stattfindet – weil die Kinder nachmittags gar nicht mehr aufnahmefähig sind. Weil enorm viele Kinder Leseprobleme haben, gibt es seit langem zusätzliche „Lesestunden" mit engagierten Müttern, in der Schule. Zu Hause machen es sich ja leider viele Eltern bequem, die setzen sich nicht mehr mit ihren Kindern hin und lesen. Sarah hat inzwischen keine Probleme mehr, sie liest viel. Unterwegs im Bus, zu Hause – überall.

Martina Lischetti ist Mutter von drei Kindern im Alter von zwei bis zwölf Jahren. Die Interviews führte Juliane von Mittelstaedt . Fotos: Thilo Rückeis.

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