Gesundheit : „Die Musik spielt in Berlin“

Ranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft: In keine andere deutsche Stadt fließen so viele Fördergelder – besonders die Geisteswissenschaftler sind Spitze

Amory Burchard

Berlin ist die leistungsstärkste deutsche Wissenschaftsstadt. Nach dem gestern veröffentlichten dritten Ranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) flossen die weitaus meisten Fördergelder nach Berlin: 307 Millionen Euro in den drei Jahren 1999 bis 2001. Damit stehen Berlins Hochschulen und außeruniversitäre Einrichtungen deutlich vor München, das 243 Millionen Euro einwarb. Die wichtigste Grundlage des von der Zeitung „Die Zeit“ initiierten DFG-Rankings ist die Auswertung der Förderpraxis. „Große Beträge bedeuten meist hohe Qualität der Forschung“, sagte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Klaus Landfried, gestern bei der Präsentation in Berlin.

Die Forschungsgemeinschaft will den Universitäten und außeruniversitären Instituten mit ihren Rankings zeigen, „wie sich ihre Anstrengungen in der Forschung auswirken“, sagte der am Mittwoch wiedergewählte Präsident der DFG, Ernst-Ludwig Winnacker. Landfried und Winnacker betonten, dass eine ausreichende Grundausstattung der Universitäten durch die Länder eine zentrale Voraussetzung dafür sei, erfolgreich um Forschungsgelder zu konkurrieren. In Regionen wie Berlin, Nordrhein-Westfalen und Thüringen sei die Situation schon kritisch.

Berlin verdankt seine dennoch gute Position im Ranking der Regionen auch der hohen Zahl seiner Hochschulen. Denn die einzelnen Berliner Universitäten belegen keineswegs die vorderen Ränge unter den 79 begutachteten Institutionen. Bundesweit führend bei der Einwerbung von Drittmitteln ist die Technische Hochschule Aachen, die 1999 bis 2001 rund 120 Millionen Euro DFG-Förderung bekam. Auf den folgenden Spitzenplätzen liegen die Universität München, die Technische Universität München und die Universitäten in Tübingen und Erlangen-Nürnberg. Den neunten und damit besten Platz unter den Berliner Hochschulen errang die Humboldt-Universität. Die Freie Universität liegt auf Platz 13, die Technische Universität auf Platz 20.

Beim DFG-Ranking für 1991 bis 1995 lag die Humboldt-Universität noch auf Platz 29. Ihren jetzigen neunten Platz hält die Humboldt-Uni seit dem Ranking der Jahre 1996 bis 1998. Diese damalige große Steigerung erklärt sich aus der Aufbauleistung nach der Wende und der Entscheidung über das moderne Virchow-Klinikum, das die Freie Universität Mitte der Neunzigerjahre an die Humboldt-Uni abgeben musste. Die FU, die außerdem noch ein Drittel ihrer Professuren einsparen musste, rutschte damals vom fünften auf den 13. Platz ab, den sie seitdem hält. Die TU lag beim Ranking von 1991 auf Platz neun und rutschte auf Platz 20 ab.

Ein direkter Vergleich zwischen Technischen Universitäten und Hochschulen, die geisteswissenschaftlich ausgerichtet sind, sei unzulässig, betonte der Chef-Statistiker der DFG, Jürgen Güdler. Aufgrund der sehr viel teureren Ausstattung ihrer Forschungsprojekte werben ingenieurwissenschaftliche Professoren im Schnitt jährlich 500 000 Euro ein, Geistes- und Sozialwissenschaftler dagegen nur 40 000 bis 100 000 Euro.

Unangefochtener Sieger ist Berlin in den Geistes- und Sozialwissenschaften. In den untersuchten drei Jahren warben Berliner Philologen, Philosophen oder Politikwissenschaftler 68 Millionen Euro für Dissertationen, Habilitationen, Forschergruppen und Sonderforschungsbereiche ein. An zweiter und dritter Stelle folgen München mit 28 Millionen und Frankfurt am Main mit 27 Millionen Euro. „Da spielt Musik in Berlin“, freute sich DFG-Statistiker Güdler.

Die Geistes- und Sozialwissenschaftler der Humboldt-Universität sind auch in einem anderen Bereich führend, den die DFG zusätzlich zum Förderranking analysierte. Sie gelten als „zentraler Akteur in Netzwerken“. Untersucht wurde, wie intensiv Forscher einer Universität mit Kollegen an anderen Unis in ihren von der DFG geförderten „koordinierten Programmen“ zusammenarbeiten. In DFG-Programmen für Biologie und Medizin sind die Wissenschaftler der Universität München die besten Netzwerker.

Die Höhe der von der DFG bewilligten Fördermittel sei ein „guter Indikator für die Forschungsexzellenz in vielen Feldern“, betonte Güdler. So zögen die Hochschulen, die das meiste Geld bekamen, auch die meisten Gastwissenschaftler aus dem Ausland an. Die Unis, die auf den ersten 20 Plätzen landeten, hatten im Schnitt 15,7 Gastwissenschaftler pro eigenem Professor, die Ränge 21 bis 40 dagegen nur 8,9. „Das ist eine Abstimmung mit den Füßen“, urteilt die DFG.

Mehr zum Thema im Internet:

www.dfg.de/ranking

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