Gesundheit : Die nächste Eiszeit hat Verspätung

Klimamodell bezieht CO2 mit ein

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Die jetzige, etwa zehntausend Jahre andauernde Wärmeperiode, Holozän genannt, sollte – dies erwarteten die Klimaforscher lange Zeit – bald kälteren Temperaturen weichen. Die kommende Eiszeit könnte sich erheblich verspäten, sagen dagegen die Mathematikerin Marie-France Loutre und ihr Kollege André Berger von der Katholischen Universität im belgischen Louvain. Anstatt zehntausend Jahre – so lange dauerten auch die beiden letzten Zwischeneiszeiten – könnte sich die jetzige Wärmeperiode noch rund 50 000 Jahre lang halten, schreiben die Wissenschaftler in einer vorab im Internet veröffentlichten Science-Studie.

Bis zu Beginn der 80er Jahre aufgestellte Klima-Modelle berücksichtigen noch nicht den wachsenden Eintrag von Kohlendioxid in die Atmosphäre. Bezieht man diesen Effekt mit ein, so sieht der Geologe Barry Saltzman von der amerikanischen Yale-Universität, ein Erwärmungs-Szenario, bei dem sich nur noch in der nördlichen Hemisphäre einige kleine Eisflächen halten können.

Die belgischen Klimatologen mussten etwa 400 000 Jahre zurückgehen, um eine Periode zu finden, die ein ebenso geringes Maß an Strahlungsänderungen aufweist. Sie führten Simulationen mit einem Klima-Modell durch, das auch die Sonneneinstrahlung und die Kohlendioxid-Konzentration über die nächsten 100 000 Jahre berücksichtigt. Die meisten CO2-Werte führten zu einer außerordentlich langen Zwischeneiszeit, die vor 5000 Jahren begonnen hat und noch 50 000 Jahre dauert. Der Kälterekord der nächsten Eiszeit wird demnach in 100 000 Jahren zu registrieren sein. Nur wenn die CO2-Konzentrationen unter 220 ppm lagen, dürfte die Eiszeit früher einsetzen.

Bei ihren Simulationen ließen die Autoren die Kohlendioxid-Konzentration innerhalb der nächsten 200 Jahre zunächst auf 500 ppm ansteigen, bevor sie im Laufe von 1000 Jahren wieder auf natürliches Niveau sinken konnte. Dabei begann das Grönland-Eis weitgehend zu schmelzen, nur ein ganz kleiner Eis-Kontinent blieb zurück. Völlig zum Verschwinden kamen die nördlichen Eismassen, sobald die Konzentration an Kohlendioxid auf 750 ppm anstieg. „Der Grenzwert, bei dem das ganze Grönland-Eis schmilzt, dürfte bei etwa 700 ppm liegen“, sagte Loutre. Dann bedürfe weiterer 50 000 Jahre, bis das Klima die Beeinträchtigungen durch die derzeitigen menschlichen Aktivitäten überwunden hätte. Paul Janositz

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