Gesundheit : Die nächste Grippewelle kommt bestimmt Vor allem alte und kranke Menschen sollten sich impfen lassen

Elke Binder

Es schon wieder soweit: Die Grippesaison hat begonnen. Kein Grund zur Aufregung? Ein bisschen Schnupfen, leichtes Fieber – ein Schwächling, wer sich davor fürchtet? Falsch. Jährlich sterben in Deutschland fünf- bis achttausend Menschen an der „echten“ Grippe, der Influenza. In der letzten Saison gab es sogar 16 000 Grippetote, wie Experten der Arbeitsgemeinschaft Influenza jetzt in Berlin berichteten. Grund genug, sich jetzt, zu Beginn der kalten Jahreszeit, beim Hausarzt impfen zu lassen.

Tatsächlich wird die „echte“ Grippe oft mit einem harmlosen grippalen Infekt verwechselt. Die Influenza äußert sich jedoch nicht nur mit Husten und Schnupfen, sondern auch mit plötzlich auftretendem hohen Fieber. Gefährdet sind dann vor allem alte Menschen und solche, die unter chronischen Krankheiten leiden, wie Diabetes, Leber- oder Nierenerkrankungen. Diese Menschen, deren Immunsystem schon geschwächt ist, sollten – so mahnen die Mediziner – sich unbedingt impfen lassen.

„Im Prinzip ist aber jedem zu einer Schutzimpfung zu raten“, sagte Peter Wutzler, Virologe an der Universität Jena und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Arbeitsgemeinschaft. Immerhin erkrankten hierzulande im letzten Winter fast fünf Millionen Menschen an der Grippe. Zwar existieren auch wirksame Medikamente, doch Vorbeugen ist besser als Nachsorge. Derzeit, so Wutzler, werde auch darüber diskutiert, die Altersgrenze für die ärztlich angeratene Impfung von 60 auf 50 Jahre zu senken und Kleinkinder mit einzubeziehen. Dabei kann die Impfung selbst, wie häufig befürchtet wird, keine Grippe auslösen.

Die Influenza hat aber eine Besonderheit: Die Impfung hält nicht ewig, nicht mal einige Jahre. Jede Saison muss neu geimpft werden. Denn das Grippevirus ist ein Verwandlungskünstler. Es trägt auf seiner Oberfläche Hülleiweiße, an denen unser Immunsystem den unliebsamen Eindringling erkennen kann. Ein dauerhafter Schutz kann aber nicht aufgebaut werden, da das Virus aufgrund von Mutationen im Erbgut seine Hülleiweiße ständig verändert. Die Folge: Die Antikörper, die unser Immunsystem in einer Saison gebildet hat, sind in den folgenden Jahren nicht mehr in der Lage, das Virus zu erkennen.

„Wir werden die Influenza, die letzte große Seuche der Menschheit, deshalb auch nicht ausrotten können“, sagte Wutzler. Schützen können wir uns dennoch. Dazu hat die Weltgesundheitsorganisation ein globales Netz zur Überwachung aufgebaut. In 110 nationalen Influenzazentren in 80 Ländern werden die zirkulierenden Viren ständig isoliert und charakterisiert; in Deutschland durch ein Referenzzentrum in Hannover und das Robert-Koch-Institut in Berlin.

Die häufigsten Viren einer Saison dienen als Grundlage für den Impfstoff des kommenden Jahres. Die internationale Abstimmung der Zentren ist wichtig. Denn häufig breitet sich ein neuer Virenstamm weltweit aus. Im letzten Winter wurden hier zu Lande fast nur Viren eines „Hongkong-ähnlichen“ Stammes gefunden. Die Überwachung ist meist effektiv. So konnten die Impfungen in den letzten Jahren einen 90-prozentigen Schutz garantieren.

Allerdings nehmen die Änderungen in den Hülleiweißen der Viren mit der Zeit zu und lassen so besonders neuartige Erreger entstehen. Deshalb kommt es alle Jahre wieder zu einer besonders heftigen Grippewelle – so wie in der letzten Saison.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben