Gesundheit : Die Perlen unter den Zeitzeugen

Aus Moskau zurückgekehrte Zeitungen bergen Überraschungen

Gerwin Klinger

Feierlicher Empfang für Zeitungen – die historischen Bestände, die im Februar von der Russischen Staatsbibliothek in Moskau nach Deutschland zurückkehrten, wurden am Mittwoch im Beisein der Staatsministerin für Kultur und Medien, Christina Weiss, im Lessing-Saal der Staatsbibliothek zu Berlin präsentiert. Die rund 180 Zeitungstitel mit insgesamt 86 000 Ausgaben stammen zumeist aus dem 18. und 19. Jahrhundert, darunter Gelehrten- und Intelligenzblätter mit Kulturnotizen, illustrierte und satirische Zeitungen sowie zudem politische Nachrichtenblätter.

Man hatte sie im Zweiten Weltkrieg aus verschiedenen Bibliotheken ausgelagert. Nach 1945 wurden sie nach Moskau verbracht. Ihre Rückgabe wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) eingeleitet, die seit Jahren gute Beziehungen zur Russischen Staatsbibliothek unterhält. Die Berliner Staatsbibliothek verwaltet den Bestand zunächst treuhänderisch. Der Teil, der nicht nach Berlin gehört soll, später an die Ursprungshäuser zurückgehen.

Das Material dürfte manche Überraschung für die historische Forschung bereit halten, zumal etwa 30 Zeitungstitel auftauchen, von deren Existenz man bislang nichts wusste, weil sie in keinem Zeitschriftenverzeichnis nachgewiesen waren. Zu den Perlen dürfte die wohl erste deutsche Übersetzung von Lew Tolstois Roman „Krieg und Frieden“ gehören, die 1870 in der „Moskauer Deutschen Zeitung“ als Fortsetzungsroman erschien. Der Roman war erst kurz zuvor, nämlich 1868/69, auf Russisch erschienen.

Staatsministerin Christina Weiss betonte den herausragenden Wert der Zeitungen. Als historische „Zeitzeugen“ seien sie für die Forschung in den unterschiedlichsten Disziplinen von Interesse.

Weiss nutzte die Gelegenheit auch zu einer Bemerkung über die festgefahrenen Verhandlungen um die Rückkehr der Bremer Baldin-Sammlung, die 364 Zeichnungen und Aquarelle umfasst. Wenn man sie frage, ob das Tauziehen um die Sammlung beendet sei, so sei ihre Antwort ein „aufrichtiges Nein“.

Wie die deutsch-russischen Kultur-Kooperationen unterhalb der Ebene der hohen Politik ablaufen, zeigt das Verfahren bei der Rückgabe der Zeitungen. Es gab keinen Staatsvertrag, und die Russische Staatsbibliothek erhält zumindest zunächst auch keine Gegenleistung. Gleichwohl kündigte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehman, an, ein „umfassender Kooperationsvertrag“ zwischen den Staatsbibliotheken in Moskau und Berlin stehe kurz vor der Unterzeichnung.

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