Gesundheit : Die schnelle Therapie ist die beste Brustschmerzen können auf Herzinfarkt hindeuten

Nicola Siegm,-Schultze

Um durchschnittlich eine Stunde, von 166 auf 225 Minuten, hat sich in den letzten zehn Jahren die Zeit verlängert, die zwischen dem ersten Auftreten von Symptomen eines Herzinfarkts und dem Ruf nach einem Arzt liegt. Am Rettungsdienst liegt es nicht: Wer Nummer 112 wählt und lebensbedrohliche Symptome schildert, wird innerhalb von zehn bis maximal 15 Minuten vom Notarzt versorgt, hieß es bei einer Pressekonferenz der Deutschen Herzstiftung in Frankfurt.

Schwierigkeiten mit der Diagnostik sind ebenfalls selten: „Der Notarzt hat meist innerhalb von fünf Minuten eine Verdachtsdiagnose gestellt“, sagt Thomas Meinertz, Kardiologe am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Auch der Transport zur Klinik ist in den letzten Jahren eher schneller geworden.

Dennoch sterben in Deutschland jährlich 170000 Menschen an den Folgen eines Herzinfarkts, davon ein Drittel, ohne vorher in eine Klinik gekommen zu sein.

Dabei kennen viele Betroffene durchaus die Zeichen eines Herzinfarktes. Eine repräsentative Umfrage von Emnid im Oktober diesen Jahres ergab: Drei Viertel der Deutschen wissen, dass plötzlich auftretende, anhaltende Schmerzen und ein Engegefühl im Brustkorb auf Herzinfarkt hindeuten können. 90 Prozent der Befragten gaben an, sie würden bei solchen Beschwerden sofort den Arzt zu rufen.

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Eine Umfrage der Deutschen Herzstiftung im vergangenen Jahr unter 159 Herzinfarktpatienten auf Intensivstationen ergab: Nur 39 Prozent hatten innerhalb von sechzig Minuten nach Auftreten der Symptome einen Arzt benachrichtigt, 53 Prozent ließen über drei Stunden verstreichen. Als Gründe für das Zuwarten nannte die Hälfte der Befragten die Vorstellung, die Beschwerden würden von selbst verschwinden. Jeder Vierte wollte den Arzt nicht stören.

Dabei lässt sich ein Herzinfarkt am besten in der ersten Stunde nach Beginn der Beschwerden behandeln. Darauf weist Hans-Jürgen Becker, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, hin.

Der Münchner Psychiater Karl-Heinz Ladwig hat festgestellt, dass es bei vielen Menschen innere Blockaden gibt, auf Symptome des Herzinfarkts adäquat zu reagieren. So gaben zwanzig Prozent der befragten Männer an, Todesängste bei der Herzattacke ausgestanden zu haben, bei den Frauen waren es 25 Prozent.

Dennoch rufen bei beiden Geschlechtern nur vierzig Prozent der Patienten mit Todesängsten innerhalb von vier Stunden den Arzt. Selbst bei einem erneuten Infarkt, bei dem 80 Prozent der Betroffenen angeben, Anzeichen gespürt zu haben, verkürzt die Vorerfahrung die Entscheidungszeit nicht.

Um dies zu ändern, rät Ladwig zum offenen Gespräch zwischen Hausarzt und Patient. Dabei sollte über Vorzeichen gesprochen werden und wie wichtig es sei, den Arzt über solche Beschwerden zu informieren. Ein Symptom sei etwa ein allgemeiner Leistungsabfall in den Monaten vor dem Infarkt. Auch Atemnot bei körperlicher Aktivität, Brennen hinter dem Brustbein, vor allem bei Kälte, Brustschmerzen beim Treppensteigen träten oft Tage oder Wochen vor dem Ereignis auf. Danach gelte es zu besprechen, was im Fall eines Herzinfarktes zu tun sei. „Das kann die Chance erhöhen, dass sich der Patient im Notfall auf das Gespräch besinnt und richtig handelt“, sagt Ladwig.

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