Gesundheit : Die Schönheit menschlicher Mechanik

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„Apoll im Labor“ – so heißt die Ausstellung zur Kulturgeschichte des wissenschaftlichen Experiments und zur Schönheit der Mechanik, die das Berliner Medizinhistorische Museum zusammen mit Sven Dierig vom MaxPlanck-Institut für Wissenschaftsgeschichte erarbeitet hat. Im Zentrum steht Emil du Bois-Reymond (1818-1896), Physiologieprofessor und zeitweise Rektor der Berliner Universität, die er des Königs „geistiges Leibregiment“ nannte. Der exzellente Zeichner hat sich mehrfach selber dargestellt und inszeniert, etwa als wohlgeformten antiken Athleten, der im Selbstversuch durch äußerste Muskelanspannung „thierische Elektrizität“ erzeugte wie Galvanis Frösche. Der Turner schaffte es immer, messbaren Strom zu liefern – ein frühes „Mensch-Maschine-System“.

Die abtrünnigen Schüler des Physiologen Johannes Müller entwarfen ein Maschinenmodell des Menschen. Wie du Bois-Reymond schrieb, hatten sie sich „verschworen, die Wahrheit geltend zu machen, dass im Organismus keine anderen Kräfte wirksam sind als die gemeinen physikalisch-chemischen“.

Diese Kräfte – und das Experimentieren damit – wurden ästhetisiert, wie die ausgestellten Laborinstrumente und anatomisch-physiologischen Zeichnungen zeigen. Die farbigen Detailstudien zum Bau eines menschlichen Körpers stammen vom Architekten Anton Hallmann, einem engen Freund du Bois-Reymonds. Er strebte dasselbe an wie der Experimentator: Schönheit sollte sich aus der Sache selbst und ihrer Zweckmäßigkeit entwickeln. „Form follows function“, beschrieb der Chicagoer Architekt Louis Henry Sullivan 1894 das Prinzip. R.St.

Medizinhistorisches Museum, Schumannstraße 20/21, bis 2. Oktober, Di bis So 10 bis 17 Uhr, Mi bis 18 Uhr.

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