Gesundheit : Die Sonne geht auf

Warum das Semester für manche Studenten um 4 Uhr 26 beginnt

Juliane von Mittelstaedt

Am Montagmorgen, es ist kurz vor sechs Uhr, geht über dem Institut für Erziehungswissenschaften gerade die Sonne auf. Da stauen sich in der dritten Etage vor dem Raum 323 bereits die Studenten. Der Gang ist proppenvoll, mit Menschen und mit Thermoskannen.

Die Grundschulpädagogen der Humboldt-Universität sind vermutlich die frühesten Studenten zum Semesterstart. Nicht ganz freiwillig, denn die Seminare sind rar: In den drei Lernbereichen Deutsch, Mathematik und Sachkunde stehen nur ein bis zwei Haupt- und rund 20 „normale“ Seminare für je 30 Teilnehmer im Vorlesungsverzeichnis. Insgesamt über 600 Plätze. Zu wenig, meinen die Studentinnen Tamara Adamczyk und Silvia Herlitze, die daher schon im letzten Semester 150 Unterschriften gesammelt und der Uni-Leitung übergeben haben. Genug, meint der HU-Vizepräsident für Lehre und Studium, Heinz-Elmar Tenorth. „Die Kapazitäten bestehen, akute Engpässe sind mir nicht bekannt.“ Den Studenten schon, daher kommt der erste um 4 Uhr 26, der letzte um kurz vor acht. Nummer 36 und 38 warten seit 5 Uhr 11, da war es noch leer. Seitdem beobachten Tamara Adamczyk und Silvia Herlitze das Geschehen und machen sich Gedanken. Über Engpässe zum Beispiel.

Rein rechnerisch gibt es für jeden Studenten einen Platz, bei 120 Erstsemestern jährlich. Kein „systematisches Problem“ sieht Tenorth daher – zu Recht. Aber Studenten lassen sich nicht mit dem Taschenrechner dirigieren: Manche brauchen ausgerechnet jetzt genau diesen einen Sachkunde-Schein für die Prüfung, manche kommen von der Technischen oder der Freien Universität. Für den Leiter der „Grundschulwerkstatt“, Hartmut Wedekind, ist das Fazit klar: „Zu viele Studenten für zu wenig Lehrende.“ Elard Klewitz, seit einem Jahr emeritiert, arbeitet daher freiwillig mit, denn seine Professur für Sachkunde mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt blieb unbesetzt. Ebenso könnte es bald in den Lernbereichen Mathe und Deutsch aussehen. Klewitz ist ratlos: „Was soll ich machen, wenn es hier hinten und vorne fehlt?“

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