Gesundheit : Die Stiftung Michael

Hermann Rudolph

Prägnant und drängend, wie er sich zu äußern liebt, gab der frühere Bundespräsident den Grundton an. Stiften, so umschrieb es Richard von Weizsäcker, ist ein Ausdruck der Bürgergesellschaft. Es sei aber auch eine Tätigkeit, die das Leben des Stifters selbst erfülle und auf die Gesellschaft ausstrahle.

Die praktische Illustration dieses Gedankens, der seit etlicher Zeit Gegenstand der öffentlichen Debatte ist und in der letzten Legislaturperiode zu einer Gesetzesnovelle geführt hat, lieferte die Stiftung Michael, die in der hessischen Landesvertretung mit dem Alt-Bundespräsidenten als Festredner ihr vierzigjähriges Bestehen beging. Sie widmet sich der Bekämpfung der Epilepsie, der zweithäufigsten Erkrankung des Nervensystems, und ist in vielerlei Hinsicht ein Exempel dafür, was Stiftungen leisten können – für die Betroffenen, aber auch für die Gesellschaft.

Am Anfang stehen der Fall des damals 15-jährigen, unter Anfällen und Absencen leidenden Jungen, der der Stiftung den Namen gegeben hat, und der Entschluss seines Vaters, eines Journalisten und Verlegers, einen großen Teil seines Vermögens in eine Stiftung zu geben. Vierzig Jahre später sind von dieser Initiative erstaunliche Veränderungen ausgegangen. Sie kann von sich sagen, dass sie den Umgang mit dieser Krankheit in der Bundesrepublik massiv reformiert hat.

Gab es damals lediglich zwei Epilepsie-Ambulanzen, so zählt man heute über 140. Die Selbsthilfe-Bewegung hat viele Impulse erfahren – nicht zuletzt in Richtung auf die Rehabilitation. Ein Kuratorium ist entstanden, das durch Denkschriften und die Förderung von Forschung, Weiterbildung und Information weitreichend gewirkt hat. Ein inzwischen hoch renommierter internationaler Preis prämiert wissenschaftliche Leistungen. Ein Reihe weiterer Stiftungen und Initiativen hat sich um die Stiftung gesammelt. Dahinter steht, was das bescheidene Jubiläum in der Landesvertretung nur diskret vermittelte: ein großes Maß an Engagement, Ausdauer und kluger Selbstbescheidung.

Es wird nicht zuletzt verkörpert durch den Nervenarzt Dieter Janz, der vor 40 Jahren mit dem Stifter die Stiftung ins Leben rief und jetzt als Stiftungsrats-Vorsitzender ihre stolze Bilanz zog. Er versteht die Stiftung als privates Antriebs- und Hilfsaggregat der öffentlichen Institutionen – mit „multiplikatorischer“ Zielrichtung, wie er sagt. Es sei ihre Funktion, „über eine Neuerung nachzudenken, dann die Initiative zu ihrer Umsetzung zu ergreifen, um sie dann, wenn sie einleuchtet, in zuständige Hände zu legen“. Daraus folgt, dass die Stiftung trotz oder wegen der erfolgreichen Arbeit vor einer Neuorientierung steht. Und dass sie über ihr Stiftungskapital hinaus verstärkt auf Spenden angewiesen bleibt.

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