Gesundheit : „Die Stimmung ist sehr angespannt“ Die Personalratsvorsitzende

Monika Ziegner über die Lage am Klinikum Franklin

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Frau Ziegner, wie ist die Stimmung in der Belegschaft des Universitätsklinikums Benjamin Franklin (UKBF)?

Sehr angespannt. Wir sind froh, dass am Montag endlich die Ergebnisse der Kommission bekannt werden. Denn was man bisher hört und liest, sind doch wahrscheinlich nur Spekulationen. Auf Dauer kann man niemandem die Ungewissheit über die Zukunft seines Arbeitsplatzes zumuten, unter der wir hier seit der angekündigten Schließung leiden.

Wie viele Mitarbeiter sind am UKBF von den Einsparungen betroffen?

Wir haben alles in allem 4700 Mitarbeiter. Doch wer tatsächlich betroffen ist, kann man ja noch nicht sagen. Trotzdem ist es uns gelungen, eine Spaltung der Belegschaft zwischen reiner Krankenversorgung und Forschungsmitarbeitern – die in erster Linie im Gespräch waren – zu vermeiden.

Wie werden die Gerüchte aufgenommen, dass das UKBF vermutlich doch nicht geschlossen wird?

Von Aufatmen kann gar keine Rede sein. Hier sind alle skeptisch und warten ab, was tatsächlich in dem Gutachten steht. Was der Berliner Senat davon umsetzt, ist ja noch eine andere Frage. Aber wir wissen auch, dass Einsparungen erbracht werden müssen. Der Druck ist einfach da.

Halten Sie es für möglich, dass die geplanten Einsparungen von 98 Millionen Euro „scheibchenweise“ aus allen Bereichen erbracht werden können?

Das kann ich mir nur sehr schwer vorstellen. Aber ich möchte mich an den Spekulationen nicht beteiligen.

Was erwarten Sie vom Senat?

Klare Aussagen, und diese so bald wie möglich – aber bitte nicht kurz vor Weihnachten. Das wäre dann der nächste kapitale Fehler der Politik. Ich weiß allerdings, dass die Zeit in diesem Jahr knapp wird. Die Kommission hatte ja eigentlich selbst noch einmal um Aufschub gebeten.

Hat die Ungewissheit schon Mitarbeiter abgeschreckt?

Die Mitarbeiter sind so leistungsmotiviert, dass es unter den Rahmenbedingungen schon erstaunlich ist. Die Fehlzeiten haben beispielsweise nicht zugenommen. Es haben sich nicht mehr Mitarbeiter wegbeworben als vorher. Im Gegenteil, wir bekommen Bewerbungen von anderswo. Die Mitarbeiter stehen voll hinter dem Klinikum.

Woran liegt das? In den Mangelberufen Krankenpflege und Arzt gibt es ja an verschiedenen Orten offene Stellen.

Das hat mit unseren Konzepten zu tun, beispielsweise in der Pflege. Unsere Pflege-Philosophie stellt den Patienten ganz betont in den Mittelpunkt. Das ist für engagierte Pflegekräfte attraktiv. Andere Stärken liegen in der Forschung. Bei der Drittmittelbilanz stehen wir gut da und die Sonderforschungsbereiche haben einen guten Ruf.

Das Interview führte die Wissenschaftsredakteurin Bärbel Schubert.

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