Gesundheit : "Die Stimmung schwankt": Wie die Studentin Martina Brand die HU reformieren will (Gespräch)

Normalerweise sind Studiendekane Professoren. Wie

Mit Martina Brand, 27, hat die Humboldt-Universität erstmals eine Studentin zur Studiendekanin gewählt, bei der nun die Fäden der Studienreform für die Philosophische Fakultät III zusammenlaufen. Mit der Studentin der Kunstgeschichte sprach Heiko Schwarzburger.





Normalerweise sind Studiendekane Professoren. Wie sind Sie als Studentin zu dieser Aufgabe gekommen?

Ich bin auch von den Professoren gewählt worden. Unter ihnen gibt es große Ängste, dass bestimmte Studiengänge sehr schnell geschlossen werden oder wegfallen. Auch sie suchen einen Ansprechpartner, der Spielräume und Chancen aufzeigt.

Was genau ist Ihre Aufgabe?

Als Studiendekanin arbeite ich an den Studien- und Prüfungsordnungen, schreibe den Lehrbericht der Fakultät und bin für die Evaluation der Lehre verantwortlich.

Was bringt die Evaluation?

Ich habe herausgefunden, dass man die Qualität der Lehre mit Fragebögen allein nur wenig messen kann. Oft hilft es, einfach die Augen aufzumachen. Findet die erste Lehrveranstaltung auch tatsächlich in der ersten Woche des Semesters statt? Zieht der Lehrende einen reinen Frontalunterricht durch, oder lässt er Studenten viel zu lange Referate halten? Stellt er seine studentische Hilfskraft auch für Tutorien zur Verfügung?

Eine wichtige Säule der Hochschulreform sind die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge. Wie stehen Sie dazu?

Ich lehne es ab, die alten Magisterstudiengänge einfach in Bachelor- oder Masterstudien umzuwidmen. Es geht darum, den Lehrstoff in studierbare Module aufzugliedern. Damit könnte man fakultätsübergreifende Studiengänge bilden. Sie wären sehr schnell einzurichten und wieder zu schließen, je nach Nachfrage am Arbeitsmarkt. Neben den Magisterstudien könnten dann Bachelorstudiengänge entstehen, die nur für ein oder zwei Jahrgänge angeboten werden. Danach könnte ein solches Angebot wieder zugunsten neuer Studiengänge auslaufen.

Was sind derzeit die größten Probleme an Ihrer Fakultät?

Die Fakultät muss den Studiengang Theaterwissenschaften auf Empfehlung des Wissenschaftsrats schließen. Statt dessen wird ein neuer Medien-Studiengang eingerichtet. Die Sudanarchäologie und die klassische Ägyptologie soll zunächst an die Freie Universität und später in ein Berliner Zentrum für Antike verlagert. Wir entwicklen neue Lehrangebote und schaffen Übergänge.

Wie können Sie Ihren Ideen Geltung verschaffen?

Die meisten Professoren und Studenten sind daran interessiert, meine Meinung zu hören, ich bin viel auf Sitzungen oder Podiumsdiskussionen unterwegs. Natürlich kommen die Erfolge nur langsam, aber sie kommen. Ich würde mir allerdings mehr hoch motivierte Dozenten wünschen. Derzeit ist die Stimmung sehr gemischt, zwischen anregender Aufbruchstimmung und großem Skeptizismus. Da ist noch viel Aufklärung zu leisten.

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