• Die Technische Uni stellt sich ihrer Aufgabe Technik und Naturwissenschaften sind für Berlins Wirtschaft die wichtigsten Forschungsfelder/ Von Kurt Kutzler

Gesundheit : Die Technische Uni stellt sich ihrer Aufgabe Technik und Naturwissenschaften sind für Berlins Wirtschaft die wichtigsten Forschungsfelder/ Von Kurt Kutzler

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Das Kuratorium der Technischen Universität Berlin hat am Mittwoch beschlossen, der Absenkung des Berliner Wissenschaftsetats in den Jahren 2006 bis 2009 um 75 Millionen Euro noch nicht zuzustimmen – aus meiner Sicht zu Recht. Denn erst müssen inhaltliche Vorgaben für die spätere Aufteilung der Kürzungssumme auf die drei wissenschaftlichen Universitäten erfüllt sein: Berlin muss festlegen, mit welchen Wissenschaftsdisziplinen in welcher Stärke es sich in der nationalen und internationalen Wissenschaftslandschaft profilieren möchte.

Die Entscheidung hierüber ist sicherlich nicht einfach und wird sich auf zahlreiche Kriterien stützen müssen. Mit hohem Gewicht muss dabei aber berücksichtigt werden, welche Wirkungen die Arbeit einzelner Wissenschaftsdisziplinen auf die Innovations und Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Berlin hat – immerhin handelt es ich bei den Universitäten um landesfinanzierte Einrichtungen.

Gerade in dieser Hinsicht kann sich die Erfolgsbilanz der TU jedoch durchaus sehen lassen: mit Tausenden von zusätzlichen Arbeitsplätzen in Forschungsprojekten und ausgegründeten Unternehmen, mit zahlreichen Innovationsimpulsen auf die heimische Wirtschaft, die aus der engen Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft resultieren und zur Wettbewerbsfähigkeit beider Kooperationspartner beitragen. Die TU ist daher stolz darauf, die wichtigste Ideenschmiede und damit die tragende Säule der Berliner Innovations- und Technologiepolitik zu sein. Immerhin hat der Berliner Senat 1999 genau diejenigen Innovationsfelder als besonders förderungswürdig festgelegt, auf denen die TU seit Jahren erfolgreich tätig ist.

Angesichts der bevorstehenden Kürzungen im Wissenschaftsetat, an denen sich die TU selbstverständlich in angemessenem Umfang beteiligen wird, geht es aber um die Gestaltung der Zukunft. Schon die begrenzten Ressourcen von Bund und Land zwingen meines Erachtens dazu, wissenschaftliche Prioritäten zu setzen und mit vereinten Kräften diejenigen Aktivitäten fortzuführen beziehungsweise aufzunehmen, mit denen den zentralen künftigen Herausforderungen begegnet werden kann. Aus Sicht der TU liegen die zentralen künftigen Herausforderungen in den Bereichen Ernährung, Gesundheit, Energie, Wasser, Information und Kommunikation, Transport und Verkehr. Auf all diesen Feldern ist die TU bereits aktiv. Sie wird ihre Strukturen aber noch zielorientierter ausrichten – müssen. Die Konzentration der Ressourcen auf die betreffenden Forschungsfelder soll dabei sicherstellen, dass auch weiterhin – auf der Grundlage einer wettbewerbsfähigen Ausstattung – erstklassige Forschungsleistungen erbracht werden können. Diese werden weiterhin eine zukunftsfähige Qualifikation unserer Studierenden gewährleisten.

Die Studienangebote wird die TU angesichts der genannten zukunftsträchtigen Forschungsfelder auf die ingenieurwissenschaftlichen Kerndisziplinen konzentrieren, unterstützt von den entsprechend zugeschnittenen Grundlagen- und Querschnittsdisziplinen wie Mathematik, Physik, Chemie und Ökonomie. Aber auch die Geisteswissenschaften müssen in beschränktem Umfang erhalten bleiben, um Ingenieure und Naturwissenschaftler sowohl fachwissenschaftlich auszubilden als auch – entsprechend dem Gründungsauftrag der TU – ihr Verantwortungsbewusstsein für gesamtgesellschaftliche Fragen zu schulen.

Die diesjährige Erstsemesterveranstaltung mit den beiden Weltraumeroberern Ulf Merbold und Siegmund Jähn hat allen Interessierten erneut deutlich gemacht, dass Erfolge in technologischen Projekten nur zu erzielen sind, wenn Spezialkenntnisse aus den verschiedensten Disziplinen mit äußerster Sorgfalt zusammengeführt werden. Mit der gleichen Sorgfalt ist die Strukturplanung einer Technischen Universität vorzunehmen. Dieser Aufgabe stellt sich die TU.

Der Autor ist Präsident der Technischen Universität Berlin .

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