Gesundheit : Die TU Berlin lobt sich selbst

Präsident Kutzler sieht die Uni auf Erfolgskurs

Uwe Schlicht

In der deutschen Hochschullandschaft kommt dem Ranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) die größte Bedeutung zu. Doch seitdem die DFG diese Rangfolgen aufstellt, hat die Technische Universität Berlin immer mehr an Boden verloren. Stand die TU noch kurz nach der Wiedervereinigung unter 84 deutschen Hochschulen auf dem neunten Rang, so ist sie um das Jahr 2000 auf den 20. Rang zurückgefallen und nimmt in der jüngsten Untersuchung der DFG nur noch die 22. Position ein. Technische Universitäten wie Aachen, Karlsruhe, München, Stuttgart, Bochum und Dresden liegen vor der Berliner TU.

Eigentlich müsste man erwarten, dass der Rechenschaftsbericht des Präsidenten Kurt Kutzler Kritikpunkte deutlich herausstellt. Aber in der mündlichen Erörterung des Rechenschaftsberichts vor dem Konzil der TU gab es so gut wie keine kritischen Bemerkungen. Und im schriftlichen Rechenschaftsbericht dominieren eher positive Zukunftsvisionen. Da heißt es, die TU habe in der Entwicklungsplanung der letzten Jahre „erfolgreich eine Strategie des gezielten Exzellenzaufbaus verfolgt“. Dann wird von dem großen Generationswechsel unter den Professoren gesprochen und hierzu gesagt, dass der Generationswechsel „frühzeitig als einmalige Möglichkeit für die strategische Erneuerung und Profilschärfung begriffen“ worden sei. Dann ist vom Exzellenzaufbau in Mathematik, Physik, Chemie und Informatik die Rede. Eher versteckt heißt es: „Hierauf aufbauend sollen in den kommenden Jahren verstärkt die ingenieurwissenschaftlichen Kerndisziplinen in ihrer Leistungsfähigkeit verbessert werden.“

Bei der Zielbeschreibung lobt sich die TU, weil sie im Hochschulstrukturplan 2004 Zukunftsfelder genannt hat, „die nach übereinstimmender Ansicht künftig von besonderer gesellschaftlicher und ökonomischer Relevanz sein werden“. Außerdem soll das Profil der Technischen Universität „im regionalen, nationalen und internationalen Universitätsvergleich“ weiterentwickelt werden.

Unleugbar erzielt die TU in der Mathematik Spitzenleistungen, in der Chemie hat sie Aussichten auf einen Exzellenzcluster, in Informatik und Elektrotechnik kooperiert sie erfolgreich mit großen Firmen wie Siemens oder der Telekom. Auch hat die TU zwei Kompetenzzentren: das DFG-Zentrum für Mathematik und ein Kompetenzzentrum des Bundeswissenschaftsministeriums in Nanostrukturen. Und die TU kann vier Forschergruppen der DFG in ihrer Bilanz benennen. Erfolge hat die TU bei den Ausgründungen (614 seit 1970) und der unternehmerischen Tätigkeit ihrer Absolventen. Diese Unternehmen haben im Jahr 2005 allein in Berlin einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro erzielt und verzeichnen 10 400 Beschäftigte.

Aber bei den Leistungsindikatoren, die für die DFG besonders wichtig sind, hat die TU Verluste zu verzeichnen. Im Berichtszeitraum 2004 bis 2006 kann die TU als Sprecherhochschule nur noch auf drei Sonderforschungsbereiche verweisen statt früher acht.Die Drittmittel sind von 75 Millionen Euro auf 69 Millionen Euro zurückgegangen.

Schmerzliche Folgen hat die Sparpolitik des Landes Berlin. Die TU muss 30 Millionen Euro einsparen, was zu einen Verlust von 560 Stellen bis zum Jahr 2009 führt. Unmittelbar vor Beginn des Studentenbergs ist die Zahl der Studierenden deshalb unter die Grenze von 30 000 gesunken. Über 1000 Plätze für Studienanfänger wurden abgebaut.

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