DIE Übeltäter : So greifen Influenza-Viren die Atemwege an

Die neue Kolumne über Krankheitserreger: Den Anfang macht, wie könnte es zurzeit anders sein, das Influenza-Virus.

Grippe
Hatschi. Hausmittel gegen Erkältung - was können die wirklich?Foto: dpa

Ab sofort finden Sie an dieser Stelle unsere neue Kolumne über Krankheitserreger. Den Anfang macht, wie könnte es zurzeit anders sein, das Influenza-Virus.

Viren sind simpel gebaut und doch faszinierend wandlungsfähig. Einerseits können sie sich nicht ohne fremde Hilfe vermehren oder Energie gewinnen. Andererseits verändern sie sich leicht und passen sich so an ihre Wirte an.

Influenza-Viren, die Erreger der „echten“ Grippe, sind kugelförmig. Ganz im Innern liegt ihre Erbinformation in Form von acht Nukleinsäuren verborgen – eingehüllt von einer Proteinschale. Außen finden sich nochmals Eiweiße: „Oberflächenproteine“, die wie Antennen herausragen. Sie sind der Schlüssel, mit dem das Virus eine fremde Zelle öffnet.

„Das Influenza-Virus befällt nur die Atemwege“, sagt Jörg Hofmann, Virologe an der Charité. Denn die Proteine der dortigen Schleimhautzellen passen perfekt auf die Oberflächenproteine des Eindringlings. Durch die Verbindung gelingt es dem Virus, sein Erbmaterial in die Zelle einzuschleusen und deren Apparat ganz auf die eigenen Interessen umzustellen. Im Zellkern vervielfältigt das Virus seine Erbinformation, an anderer Stelle findet die Synthese neuer Eiweißhüllen für die „Nachkommen“ statt. Eine erfolgreiche feindliche Übernahme endet mit dem Tod der Wirtszelle, in der in ein bis zwei Tagen Millionen neuer Viren gebildet werden können.

Nach dem Austritt klebt der Virus-„Nachwuchs“ allerdings an der Zelle fest. Um die Verbindung zu kappen, muss er eine spezielle Schere, das Protein Neuraminidase, einsetzen. Grippe-Medikamente blockieren dieses Eiweiß – und stoppen die Viren so.

Eine ähnlich wichtige Rolle wie Neuraminidase spielt für das Virus nur noch ein anderes Oberflächenprotein: Hämagglutinin, das für das anfängliche Ankoppeln an die Wirtszelle entscheidend ist.

Es gibt unterschiedliche Varianten dieser zwei „Antigene“. Derzeit sind 16 Hämagglutinine (H) und neun Neuraminidasen (N) bekannt. Ihre jeweilige Kombination gibt den verschiedenen Influenza-Typen ihren Namen. „Die Vielfalt der Viren ist Fehlern beim Kopieren der Erbinformation geschuldet“, sagt Hofmann. Dadurch bleibt das Virus schwer berechenbar. Die Grippe-Impfung, bei der abgetötete Antigene das Immunsystem vorbereiten, muss immer auf neue Mutationen abgestimmt werden.bj

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