Die Übeltäter : So greifen Karies-Bakterien die Zähne an

In unserem Mund leben verschiedene Bakterienarten. Manche gehören zur natürlichen Mundflora, die vor Krankheitserregern schützt. Andere lösen Krankheiten aus.

Björn Rosen

Über die Ursachen von Karies wusste die Medizin sehr lange sehr wenig. Schon 1800 v. Chr. wurde auf altbabylonischen Tontafeln zwar über die Ursachen der Zahnerkrankung spekuliert, aber man machte den falschen Übeltäter verantwortlich: Schuld, heißt es auf den Tafeln, sei ein Zahnwurm. Die Theorie hielt sich bis ins 19. Jahrhundert. Erst um 1890 löste der in Berlin lebende Amerikaner Willoughby Dayton Miller, ein Student Robert Kochs, das wahrscheinlich älteste Rätsel der Zahnheilkunde – heute gelten seine Theorien zur Entstehung von Karies als gesichert.

In unserem Mund leben verschiedene Bakterienarten. Manche gehören zur natürlichen Mundflora, die vor Krankheitserregern (etwa Pilzen) schützt. Andere sind pathogen, lösen also Krankheiten aus. Bei Karies ist vor allem ein Bakterium sehr wichtig: Streptococcus mutans, das sich millionenfach in der Mundhöhle findet, klumpige Haufen bildet und anderen Bakterien den Weg ebnet. „Man infiziert sich damit meist schon als Neugeborener, durch einen Kuss der Mutter“, sagt Andrej Kielbassa, Leiter der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie an der Charité.

Streptococcus mutans gehört – wie der Name schon sagt – zu den Streptokokken, einer Familie von Bakterien mit runder Form. Teilweise leben sie mit dem Menschen in Symbiose, finden sich etwa im Darm und auf der Haut, teilweise lösen sie aber auch Krankheiten aus, zum Beispiel Scharlach, Mandel- und Hirnhautentzündungen – oder eben Karies.

Willoughby Miller stellte in seinem bahnbrechenden Buch „The Microorganisms of the Human Mouth“ fest, dass sich Streptococcus mutans und andere Kariesbakterien von Zucker „ernähren“. Wenn sie die Kohlenhydrate abbauen, entsteht als Abfallprodukt Milchsäure. Die Säure wiederum entkalkt den Zahnschmelz (die äußere Schicht des Zahns), entzieht ihm Phosphate und Kalzium. „Dadurch wird der Schmelz zerstört“, sagt Experte Andrej Kielbassa , „und Bakterien können in die tieferen Schichten des Zahns vordringen. Es entstehen Löcher.“ Zu diesem zerstörerischen Effekt kommt es immer dann, wenn sich Zahnbelag (Plaque) gebildet hat – ein feiner Film, auf dem sich die schädlichen Bakterien so richtig wohlfühlen. Er besteht zunächst aus Nahrungsresten und einer Schicht von Speicheleiweißen, auf der die harmlosen Bakterien der Mundflora und dann eben die Karieserreger siedeln, die sich zudem rasch vermehren.

Ein Medikament gegen die Kariesbakterien konnte bisher nicht gefunden werden. Antibiotika verbieten sich, weil sie auch die vorteilhaften, schützenden Bakterien töten würden. So hilft nur, sich häufig (drei Mal am Tag!) und gründlich die Zähne zu putzen (am besten mit einer elektrischen Zahnbürste), um es gar nicht erst zu einer Plaquebildung kommen zu lassen.

Zahnbürste und -pasta schrubben den Belag ab und polieren die Zahnoberflächen, so dass die Nischen liebenden Kariesbakterien weniger gut siedeln können. In Zahncremes sind außerdem Fluoride enthalten, die eine Herauslösung von Stoffen aus dem Zahnschmelz bremsen. Darüber hinaus sollte man wenig Zuckerreiches essen.

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