Die Übeltäter : So infizieren uns Zecken mit Erregern

Zecken gehören zu den schlimmsten Krankheitsüberträgern. Im Frühjahr und Sommer werden sie aktiv.

Björn Rosen

Zecken gehören zu den schlimmsten Krankheitsüberträgern. Das liegt daran, dass sie sich im Laufe ihres Lebens vom Blut mehrerer, oft unterschiedlicher Wirte ernähren und dabei Krankheitserreger weitertragen. Zu ihren Opfern gehören Vögel, Hunde und Fledermäuse. Einige der rund 900 Zeckenarten sind nur auf einen Wirt spezialisiert, etwa auf Mäuse. Auch für Menschen sind Zecken jetzt wieder gefährlich - denn im Frühjahr und Sommer werden sie aktiv.

„Zecken mögen es warm und feucht“, erklärt Franz-Rainer Matuschka, Professor für Parasitologie an der Charité. Deshalb fallen sie während der kalten Monate in eine Art Winterschlaf und überleben in der bodennahen Vegetation auch sehr niedrige Temperaturen. Und deshalb lauern sie auch nicht auf Baumwipfeln und lassen sich von dort auf ihre Opfer herabfallen, wie viele Leute irrtümlich glauben. Denn so weit oben wäre es für die Parasiten zu hell und windig. „Optimal für Zecken ist die Grenze zwischen Wald und Wiese, dort sitzen die Tiere bodennah im Gebüsch oder im hohen Gras“, sagt Matuschka.

Zecken haben sehr gute Sinnesorgane, mit denen sie Gerüche selbst über große Entfernungen wahrnehmen können. So schaffen sie es, ein Opfer zu orten. Dann krabbeln sie von der geschützten Unterseite eines Blattes nach oben und strecken sich ihrem potentiellen Wirt entgegen. Ist der Parasit auf dem Körper, lässt er sich Zeit, um die für ihn beste Stelle zu finden, an der die Haut relativ dünn ist. „Auch hier mögen es die Zecken geschützt, also im Haaransatz, der Achselhöhle, der Kniekehle“, so Parasitologe Matuschka. Nun öffnet die Zecke die Haut und schiebt ihr Mundwerkzeug hinein. Mit dem Einstich fließt sofort ein Pharma-Cocktail in den Körper des Wirts. Darin sind Substanzen enthalten, die die Immunabwehr ausbremsen und die Blutgerinnung stoppen; schmerzlindernde Substanzen verhindern, dass der Angriff dem Wirt wehtut. So bleibt er, anders als ein Mückenstich, oft lange unbemerkt.

Schließlich beginnt die Zecke mit ihrer Mahlzeit. In wenigen Tagen pumpt sie so viel Blut aus dem Körper des Wirts, dass sie manchmal das 200-Fache an Gewicht und Volumen zulegt. Ist sie „satt“, lässt sie sich einfach fallen. Trägt der Parasit keine Krankheitserreger in sich, ist der Angriff eher harmlos. Für den Menschen besteht Gefahr, wenn sich im Speichel der Zecke Viren befinden, die FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) auslösen. Die können bis zu einer Hirnhautentzündung führen. In Deutschland gibt es solche Zecken aber fast nur im Süden, außerdem kann man sich gegen den Erreger mit einer Impfung schützen. Häufiger kommt es zu einer Infektion mit Borrelien. Das sind Bakterien, die jedes Organ, das Nervensystem und die Gelenke befallen können und damit Lyme-Borreliose auslösen. Die Borrelien können sich im Zeckendarm befinden und von dort mit dem Speichel in den Wirt gelangen, wenn die Zecke Flüssigkeit ausscheidet, die sie nicht mehr gebrauchen kann.

Die gute Nachricht: Die Erreger strömen nicht gleich nach dem Einstich in den Körper. Wird die Zecke sofort entdeckt und entfernt, so ist das Risiko einer Erkrankung gering.Björn Rosen

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