Die Übeltäter : So lösen Streptokokken Scharlach aus

Scharlach ist eine der wenigen Kinderkrankheiten, die man mehrmals bekommen kann. Das liegt daran, dass es ganz unterschiedliche Varianten des Erregers gibt – sie haben jeweils eine etwas andere Oberfläche.

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Das macht die Entwicklung eines Impfstoffs schwierig, weshalb man sich vor Scharlach nicht vorbeugend schützen kann. Nach der Erkrankung hat das Immunsystem Antikörper gegen jene Bakterienvariante gebildet, die in diesem Fall verantwortlich war – vor ihr ist man dann auch ein Leben lang geschützt, aber eben nicht vor den vielen anderen.

„Allerdings steigt die Widerstandskraft des Körpers mit jeder Erkrankung“, erklärt Christian Träder, Infektiologe am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum in Schöneberg. Hatte man als Kind schon (oft) Scharlach, ist das Risiko, als Erwachsener wieder daran zu erkranken, gering. „Dass die Krankheit vor allem Kinder trifft, hat auch damit zu tun, dass diese meist sehr engen Kontakt mit Gleichaltrigen haben, besonders im Kindergarten“, sagt Träder. Der Erreger findet sich etwa im Speichel eines Infizierten, gelangt aufs Spielzeug und Geschirr, wird dort von einem gesunden Kind mit der Hand aufgenommen und bei einer Berührung des eigenen Gesichts in Nase oder Mund geführt. Meist wird Scharlach durch Niesen und kleinste Tröpfchen übertragen. Er ist jedoch bei Weitem nicht so ansteckend wie Grippe oder ein grippaler Infekt.

Scharlach wird von Streptokokken ausgelöst, einer großen und wichtigen Bakterienfamilie, die auf den Menschen als Wirt angewiesen ist. Sie verursachen zum Beispiel Mandelentzündungen oder Karies, manchmal leben sie aber auch in friedlicher Koexistenz mit dem Menschen, etwa im Darm. Sie sind rundlich und reihen sich oft in Ketten aneinander.

Die Scharlacherreger gehören zur Gruppe A der Streptokokken, die vor allem die Schleimhäute und vor allem den Rachen befallen. Sie produzieren ein Gift, das für einige Krankheitsreaktionen verantwortlich ist. Nach zwei bis drei Tagen Inkubationszeit setzen die typischen Symptome ein: Die Lymphknoten und Mandeln schwellen an, das Schlucken schmerzt. Der Körper reagiert außerdem mit Fieber, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen – und fast immer mit Hautausschlag, der sich vom Brustkorb ausbreitet. Typisch für Scharlach ist die gerötete „Himbeerzunge“.

„Scharlach selbst ist nicht das Problem, der Körper würde meist sogar allein mit den Erregern fertig werden“, sagt Träder. „Gefährlich sind mögliche Folgeerkrankungen.“ Deshalb werden bei Scharlach konsequent Antibiotika eingesetzt, die auch zuverlässig wirken. Ansonsten könnte es zu einer Nierenerkrankung, zu Herzklappen- oder rheumatischem Fieber kommen. Dabei handelt es sich um Überreaktionen des Immunsystems. „Die Herzklappenzellen etwa sind den Bakterien scheinbar ähnlich und werden deshalb von der Abwehr ebenfalls angegriffen. Der Schaden kann so weit gehen, dass eine Operation nötig wird“, sagt Träder.

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