DIE Übeltäter : So nisten sich Läuse in der Kopfhaut ein

Kopfläuse mögen es warm und feucht. Wer dem Juckreiz nachgibt, kann gefährliche Entzündungen in der Kopfhaut bekommen.

Björn Rosen

Herbst ist Läusezeit. Aber am Klima liegt das nicht. „Auf unserem Kopf herrschen fast immer die gleichen Temperaturen, um 28 Grad Celsius“, sagt Eberhard Schein vom Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin der TU. Dass die Läuse so oft im Spätsommer und Herbst vorkommen, hat einen anderen Grund. „Ein Drittel aller Fälle tritt nach den großen Schulferien auf, in denen viele Kinder sich irgendwo anstecken und die Läuse dann mit in die Schule oder die Kita bringen“, so Schein.

Noch schwerer als die Kopflaus selbst ist das Vorurteil auszurotten, eine Ansteckung hätte etwas mit mangelnder Hygiene zu tun. Dabei spielt es für die Läuse keine Rolle, ob das Haar frisch gewaschen ist oder nicht – ebenso wenig wie das Alter ihrer „Opfer“. Dass meist Kinder betroffen sind, hat damit zu tun, dass sie ihre Köpfe eher mal zusammenstecken und die Läuse dann vom Haar des einen auf das des anderen spazieren.

„Kopfläuse bewegen sich auf ihren sechs Beinen schnell vorwärts, können aber weder springen noch fliegen“, sagt Insekten-Experte Schein. In ausgewachsenem Zustand sind sie zwei bis drei Millimeter groß und besitzen eine unauffällige gelblich-graue Färbung; nur ihr Hinterteil ist meist dunkel, dort schimmert das Blut durch, das sie aus der Kopfhaut saugen. Die Menschen sind für die Läuse der einzige Wirt, ohne ihr Blut, das eine hervorragende Nahrung für die Parasiten darstellt, würden sie schon nach zwei bis drei Tagen sterben.

Kopfläuse mögen es warm und feucht, weshalb sie sich auf der Kopfhaut, geschützt von den Haaren, so wohlfühlen. Auf einer Glatze ist es ihnen dagegen zu luftig und trocken. Auch wenn die Haare kürzer als zwei Zentimeter sind, wird es für die Parasiten ungemütlich – und ein Befall damit unwahrscheinlich. Haben sich die Läuse eingenistet, so stechen sie drei bis fünf Mal am Tag mit ihrem Rüssel in die Haut und saugen eine geringe Menge Blut ein. Gleichzeitig wird durch den Rüssel Lausspeichel in den Kopf injiziert. Er verhindert, dass das Blut gerinnt. Darauf reagiert der Körper mit Juckreiz. Wenn man dann kratzt, kann es zu gefährlichen Entzündungen kommen.

Erwachsene Kopfläuse leben zwar höchstens 50 Tage, aber die Weibchen sorgen für genügend Nachwuchs: Sie legen jeden Tag drei bis vier Eier, die jeweils 0,8 Millimeter lang sind. Diese „Nissen“ werden am Haar mit einem Sekret festgeklebt. In rund drei Wochen entwickeln sie sich zu einem erwachsenen Tier.

Weder gegen die Eier noch gegen die ausgewachsenen Parasiten hilft ein normales Shampoo. Aber es gibt Präparate, die in die Haare einmassiert werden und die erwachsenen Läuse abtöten. Die Eier sollte man mit einem speziellen Nissenkamm, der enge Zähne besitzt, entfernen. Außerdem empfiehlt es sich, Schals, Schlafanzug und Kopfkissenbezüge bei 60 Grad zu waschen, auch wenn eine Ansteckung über Gegenstände selten ist. Die hohem Temperaturen töten die Parasiten. Ist jemand in der Familie betroffen, sollten alle anderen vorbeugend Läusemittel verwenden. Wichtig ist, offen mit dem Thema umzugehen und zum Beispiel die Eltern anderer Kindergartenkinder zu informieren, damit sich die Läuse nicht ausbreiten.

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