Die Übeltäter : So plagt Malaria die Menschen seit Jahrtausenden

Malaria kennt die Menschheit schon seit Jahrtausenden, doch wie entsteht die Krankheit?

Björn RosenD

Malaria suchte schon die alten Ägypter heim – und war einst auch in Mitteleuropa verbreitet.  Nur hatte man bis ins 19. Jahrhundert keine Ahnung, wie die Krankheit entsteht. Mal galt sie als „Fluch des Pharaos“, mal machte man die schlechte Luft in Sümpfen verantwortlich.Erst 1880 entdeckte ein französischer Mediziner die Erreger: Plasmodien. Ein paar Jahre später fand man heraus, dass bestimmte weibliche Mücken diese einzelligen Parasiten übertragen. Heute kommt Malaria nur noch in tropischen und subtropischen Regionen vor.

„Es gibt vier unterschiedliche Formen des Erregers, die den Menschen mit Malaria infizieren können“, erklärt Frank Mockenhaupt vom Tropeninstitut der Charité am Spandauer Damm in Charlottenburg. „Außerdem scheint eine seltene fünfte Plasmodien-Art, durch die vor allem Affen erkranken, gefährlicher zu sein als bisher angenommen.“

Die schwerste Form der Krankheit – die „Malaria tropica“ – kann zum Tod führen. Sie wird vom Plasmodium falciparum ausgelöst. Der Parasit gelangt, in einer frühen Form seines sehr komplizierten Lebenszyklus, mit dem Speichel der Mücke in den menschlichen Körper und dann über das Blut in die Leber. Schon 20 bis 30 Minuten nach dem Mückenstich hat er sich dort eingenistet. Krankheitssymptome bleiben erst einmal aus, denn das einzelne Plasmodium wächst in der Leberzelle heran und braucht dann ein paar Wochen, um sich durch ungeschlechtliche Teilung zu vermehren.

„Wenn die infizierten Leberzellen platzen, treten aus jeder bis zu 30 000 Nachkommen der Parasiten aus“, sagt Mockenhaupt. Diese befallen nun die roten Blutkörperchen, dank deren Farbstoff sie sich erneut vermehren können. Nach zwei bis drei Tagen platzen die Blutzellen – und acht bis 32 Nachkommen treten jeweils aus. Diese greifen dann wiederum andere Blutkörperchen an.

Weil dadurch viele Blutzellen lahmgelegt sind, funktioniert der Sauerstofftransport im Körper schlechter. Hinzu kommt, dass die Plasmodien Substanzen freisetzen, auf die die menschliche Immunabwehr stark reagiert – insbesondere mit Fieber.

„Das eigentlich Gefährliche am Plasmodium falciparum ist aber, dass sich die infizierten Blutzellen – anders als bei den anderen Plasmodienformen – an den Innenwänden der kleinsten Blutgefäße festsetzen können“, erklärt Tropenmediziner Mockenhaupt. Dadurch entstehen Verstopfungen – und die sind besonders im Gehirn sehr gefährlich: Der Malariakranke kann ins Koma fallen oder sogar sterben. Werden einzelne Teile des Hirns nicht mehr richtig durchblutet, kommt es oft auch zu Taub- und Blindheit oder zu Bewegungsstörungen.

Die Körperabwehr allein wird mit den Eindringlingen selten fertig. Ein Impfstoff existiert noch nicht, es wird aber verstärkt daran geforscht. Dafür gibt es Präparate, die Plasmodien recht zuverlässig abtöten. Am besten ist es natürlich, sich beim Urlaub in einer Malariaregion mit Cremes und Moskitonetzen gegen Mückenstiche zu schützen und eventuell auch vorbeugend Medikamente einzunehmen. Ein Mythos ist dagegen, dass Malaria nach einer ersten Infektion immer wieder komme. Wurde die Krankheit richtig behandelt, dann heilt sie vollständig aus. Björn Rosen

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